
Vortragsreihe vom 26. November 2009 bis 4. Februar 2010
in der Stadtbücherei Frankfurt am Main, Hasengasse 4
Besonders in schwierigen Zeiten ist das Bedürfnis groß, über Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit neu nachzudenken. Keines der Modelle von Gerechtigkeit, welche Philosophie und politische Theorie entwickelt haben, gibt eine angemessene Beschreibung von Ungerechtigkeit. Die Philosophie der Gerechtigkeit ist notwendigerweise abstrakt und bezieht sich auf grundlegende Fragen der Verteilung sozialer und kultureller Güter. Unsere Sensibilität für Ungerechtigkeit, die sich häufig an konkreten Erfahrungen und Beispielen entzündet, ist dagegen ein komplexes kulturelles und soziales Phänomen und oft nur dadurch zu beschreiben, dass man auch die individuellen Lebensgeschichten in Betracht zieht.
Eine Reihe zeitgenössischer Philosophinnen hat versucht diese Erfahrung aufzugreifen und in ein erweitertes Konzept von Gerechtigkeit einzubeziehen, indem sie die konkreten Besonderheiten von Lebenskontexten und Kulturen berücksichtigen.
Es sollen aber auch die Punkte benannt werden, wo Gerechtigkeit eines gesellschaftsrelevanten Konzepts der Liebe bedarf, um überhaupt bestehen zu können.