Frühere Projekte


Arbeitssituation und Belastungen von Professorinnen an hessischen Fachhochschulen

Forschungsprojekt des gFFZ

Bei den Bemühungen des gFFZ zur Förderung der Frauen und Genderforschung an Hessischen Fachhochschulen werden von den Professorinnen immer wieder ihre Arbeitsüberlastungen als Begründung für ihre seltenen Forschungsaktivitäten benannt. Die zunehmenden Arbeitsanforderungen, die mit den aktuellen Studienreformprozessen im Rahmen der BA- und MA-Entwicklungen und den Umstrukturierungen in den Hochschulen einhergehen, das hohe Lehrdeputat, die relativ seltenen Forschungssemester, der fehlende Mittelbau wie auch sonstige fehlende bürokratische Entlastungen führen zu einer subjektiv hoch empfundenen Arbeitsbelastung. Vor diesem Hintergrund wird die Forschungsaufforderung als zusätzliche Anstrengung jenseits des Kerngeschäfts der Lehre und der Hochschulgremien erlebt. Forschungsambitionen überhaupt zu entwickeln, geschweige denn durch erfolgreiche Mittelakquise auch umzusetzen scheint kaum möglich. So besehen erweist sich die Arbeitssituation an Fachhochschulen als wenig förderlich für Forschungsaktivitäten.

Diese Problemdiagnose basiert jedoch bislang vornehmlich auf punktuellen, situativ zufälligen Rückmeldungen von Professorinnen. Es fehlen systematische Daten zur Bestimmung der Arbeitssituation von Fachhochschulprofessorinnen.

Aus diesem Grund initiierte das gFFZ ein Forschungsprojekt, das die aktuelle Arbeitssituation und die Belastungen von Professorinnen an Hessischen Fachhochschulen empirisch erfassen sollte, um die Arbeitsproblematik solider beschreiben zu können. Woraus besteht der Arbeitsalltag im Einzelnen? Welche Arbeitstätigkeiten absorbieren viel Zeit und Kraft? Welches sind die dominierenden „Zeiträuber“? Wodurch entstehen belastende Konflikte und Überlastungsgefühle? Gibt es fächerspezifische Unterschiede? Wo deuten sich Lösungsmöglichkeiten an? Die Daten sollen helfen, vorhandene institutionelle Forschungshindernisse präziser benennen und offensiver angehen zu können. Damit wird ein Beitrag dazu geleistet, Fachhochschulen perspektivisch erfolgreicher als Forschungsstandorte auszubauen. Erhebungsinstrument ist ein standardisierter Fragebogen mit quantitativen und qualitativen Fragen, der sowohl objektive Daten wie auch subjektive Einschätzungen und Bewertungen erfasst. Folgende Themenblöcke wurden darin abgefragt:
• Ausbildung und berufliche Praxis,
• Aufgaben im Rahmen der Professur,
• weitere berufliche Aufgaben und institutionelles Engagement,
• Aufgaben zur Arbeitsbelastung,
• Angaben zu Arbeitsweg und berufsbedingter Mobilität, Angaben zur Person.
Die schriftliche Befragung fand im Zeitraum April/Mai 2005. Befragt wurden alle an den Hessischen Fachhochschulen tätigen Professorinnen aller Fachbereiche (N = 167). Der Rücklauf betrug etwa 46 % (N = 77). Mehr als die Hälfte der Fragebögen wurde von Professorinnen aus der Fachrichtung "Soziale Arbeit" ausgefüllt. Die einzelnen Fachrichtungen sind quantitativ etwa repräsentativ vertreten, nur der Rücklauf aus "Wirtschaft/Recht" war überproportional hoch. Der Geburtsjahrgang 1940-1950 war am stärksten vertreten (38 % gegenüber 33 % beim Geburtsjahrgang 1951-1960 und 30% beim Geburtsjahrgang 1961-1970.

Zentrale Ergebnisse sind:

  • 59 % der Professorinnen haben Kinder, wobei diese mehrheitlich älter als 14 Jahre sind, 12 % pflegen Angehörige.
  • Fast zwei Drittel der Befragten benötigen nicht mehr als 90 Minuten für den Arbeitsweg (Hin- und Rückweg), 22 % benötigen nur 30 Minuten. Zwei Drittel der Befragten sind keine Wochendpendlerinnen.
  • Die Befragten gaben an, in der Vorlesungszeit (WiSe 04/05) wöchentlich 49 Stunden gearbeitet zu haben. Alle arbeiteten auch in der vorlesungsfreien Zeit, und zwar durchschnittlich 5 ½ Wochen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 35 Stunden.
  • Mehr als die Hälfte der Arbeitzeit wird durchschnittlich durch Lehraufgaben gebunden, knapp ein Viertel durch Gremientätigkeiten, etwa 13 % durch Forschung.
  • Im Durchschnitt werden 4 % des Gesamtarbeitsvolumens für Arbeitsaufgaben außerhalb der Fachhochschule aufgewendet.
  • 14 % sind mit reduziertem Lehrdeputat tätig; Lehrentlastungen erhalten die Befragten vor allem für Gremientätigkeiten und sonstiges, jedoch nur in einem Viertel der Fälle für Forschungstätigkeiten.
  • Die deutliche Mehrheit ist mit der Arbeitsituation in der Lehre zufrieden, eher unzufrieden sind die Professorinnen mit ihrer Arbeitsituation im Bereich der Verwaltung und der Forschung.
  • Die deutliche Mehrheit würde den eigenen Beruf wieder wählen, für 91 % der Befragten trifft dies voll/eher zu.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten fühlt sich durch das eigene Arbeitsvolumen belastet, ein weiteres gutes Drittel fühlt sich nicht belastet, etwa ein Viertel fühlt sich manchmal belastet.
  • Am Ende eines Arbeitstages fühlt sich die Hälfte der Befragten sehr erschöpft, für ein gutes Drittel trifft dies manchmal zu.
  • Etwa zwei Drittel der Befragten haben nicht genügend Zeit für den wissenschaftlich-kollegialen Austausch.


Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Lotte Rose, Fachhochschule Frankfurt am Main
Prof. Dr. Marlies Fröse, Evangelische Fachhochschule Darmstadt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Stephanie Braukmann, Frankfurt