Projekte

Gender und studentische Auslandsmobilität

Forschungsprojekt

Wie einschlägige Studien zeigen, ist die Mobilitätsbereitschaft bei Studentinnen höher als bei Studenten und in den Studiengängen mit hohem Frauenanteil höher als in denen mit hohem Männeranteil.
Das Forschungsprojekt geht den Gründen für diesen bislang kaum untersuchten Gender-Bias im Kontext struktureller Bedingungen, persönlicher Lebenssituationen und Motivationen nach, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt begünstigen oder erschweren. Dies soll Hinweise geben für eine geschlechteradäquate, an den Bedingungen und Bedürfnissen der Studierenden ansetzende Gestaltung von Förderprogrammen und Betreuung durch die Auslandsämter und Auslandsbeauftragten.
In einer Pilotstudie wurden zunächst "Letters of Motivation" von BewerberInnen, die über das Leonardo-Programm studienbezogene Auslandspraktika realisieren, inhaltsanalytisch ausgewertet (vgl. Wirtz 2006). Die Untersuchung wurde mit einem veränderten Forschungsdesign fortgeführt: leitfadengestützte qualitative Interviews mit Outgoings der Fachhochschule. Um den möglichen Einfluss von geschlechtlich unterschiedlich geprägten Fachkulturen erheben zu können, wurden sowohl Studierende der frauendominierten Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik als auch Studierende des männerdominierten Studiengangs Wirtschaftsinformatik befragt.
Erste Ergebnisse der Studie weisen in die Richtung, dass sowohl bei den befragten Männern als auch bei den befragten Frauen solche Motivationen und Begründungen überwiegen, die quantitativen Studien zufolge eher von Frauen als von Männern angegeben werden: Das Interesse an interkulturellem Austausch, der Wunsch nach Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen und die Bereitschaft zu neuen, nicht im Voraus planbaren Erfahrungen scheinen die Realisierung eines Auslandsaufenthaltes stärker zu motivieren als die Erwägung, welche konkreten beruflichen Vorteile sich aus dem Auslandsaufenthalt ergeben könnten. Das könnte bedeuten, dass "weiblich" konnotierte Motivationslagen einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt begünstigen.
Alle Phasen der Untersuchung wurden als Lehrforschungsprojekt konzipiert und durchgeführt. Dies ermöglichte es den beteiligten Studierenden, exemplarisch sämtliche Stufen eines Forschungsprojektes mitzuvollziehen: Entwicklung der Fragestellung vor dem Hintergrund der Forschungsliteratur, Entscheidung für ein methodisches Design, Auswahl des Samples, Entwicklung eines Interviewleitfadens, Durchführung der Interviews sowie den Beginn der Auswertung. Begleitend dazu wurden in allen Seminaren Methoden der qualitativen Sozialforschung sowie Grundlagen der Frauen- und Geschlechterforschung vermittelt und deren Anwendung im Kontext des Forschungsdesigns reflektiert.

Finanzierung:
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), InterResearch e.V., Fulda, Fachhochschule Frankfurt am Main, Hochschule Fulda

Forschungsverbund:
gFFZ , Hochschule Fulda, Inter-Research in Fulda (Hessen Networks! Koordinierungsstelle der hessischen Hochschulen) und Fachbereich 4 der Fachhochschule Frankfurt am Main

Laufzeit:
8/2005–12/2006

Veröffentlichungen
Wirtz, Mica 2006: Gender und studentische Auslandsmobilität. Projektbericht (erhältlich auf dieser Seite unter „Downloads“). Ebenfalls wurde eine Broschüre "Gender und studentische Auslandsmobilität" publiziert, die Sie über das gFFZ bestellen können.