
Zugehörige Veröffentlichungen:
Es besteht ein eklatanter Mangel an empirischen Daten über die Situation älterer und alter Lesben. Das Projekt will Aufschluss über ihre Sozialstruktur und Lebensweise, über Erfahrungen mit der Altenhilfe und mit Diskriminierung geben und ermitteln, welche spezifischen Bedürfnisse diese Frauen bezogen auf ein lesbengerechtes Leben im Alter haben. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und sind in Vorträgen vorgestellt und diskutiert worden.
Das Projekt ist als quantitative Erhebung angelegt und basiert auf einer schriftlichen Befragung, die von März bis Juli 2006 im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt wurde. Der Fragebogen wurde bekannt gemacht und verteilt im Bereich der Altenarbeit, durch Veranstaltungen, Medien und ein dicht gespanntes Netz von MultiplikatorInnen in Frauen- und Lesbennetzwerken und -einrichtungen.
Die Studie erhellt Lebenssituation und Bedürfnisse lesbischer Seniorinnen und zeigt Anforderungen an eine professionelle zielgruppenspezifische Altenarbeit auf. Die Untersuchung ist im Kontext der interdisziplinären Erforschung des demografischen Wandels und seiner Bedeutung für die Soziale Arbeit zu sehen. Sie fokussiert auf Frauen, nichtfamiliale Lebensgestaltung, Besonderheit und Wandel von Diskriminierungserfahrungen. Sie betritt Neuland, insofern sie systematisch und empirisch Alters-, Sexual- und Genderforschung verknüpft und durch ihre Erkenntnisse zur Erhellung der bislang kaum sichtbaren Gruppe älterer Lesben und ihrer Bedürfnisse beiträgt.
Die Auswertung hat unter anderem ergeben, dass Kontakt zu und Umgang mit anderen lesbischen Frauen im Alter für die befragten Frauen von zentraler Bedeutung sind. Für die Zukunft wird es wichtig sein, die nichtfamilialen Netzwerke von Lesben gezielt zu fördern und Diskriminierung aktiv abzubauen.
Innerhalb der Einrichtungen der professionellen Altenarbeit gibt es bislang kaum Informationen und nur geringe Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse lesbischer Frauen, so dass in diesem Bereich ein deutlicher Qualifizierungsbedarf festgestellt werden kann. Unterstützung von und Beratung über Wohnmodelle für lesbische Frauen sowie die Förderung von Mischmodellen in der Pflege sind weitere Aspekte, die einen wichtigen Beitrag zum selbstbestimmten Altern lesbischer Frauen leisten.
Eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.
Forscherinnen:
Prof. Dr. Ulrike Schmauch, Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Dr. Stephanie Braukmann, Dr. Margit Göttert (gFFZ), Ulrike Habert (LIBS), Dr. Elke Schüller
Forschungsverbund:
Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit in Kooperation mit dem gFFZ, dem gemeinsamen Frauenforschungszentrum der Hessischen Fachhochschulen
Finanzierung:
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), Forschungsschwerpunkt "Genderforschung und Gleichstellung der Geschlechter"