Forschung

Fördermöglichkeiten für Forschungsvorhaben im Bereich Frauen- und Genderforschung

Stiftungen — Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung

Die Fritz Thyssen Stiftung ist eine der größten wissenschaftsfördernden Stiftungen mit einem Vermögen von ca. 140 Millionen Euro. >>> In den Ausführungen über ihre Förderbereiche werden genderbezogene Fragestellung nicht explizit benannt. <<< Am ehesten kommt für solche Fragestellungen aus dem thematischen Spektrum der Fachhochschulen der Förderbereich „Staat, Wirtschaft & Gesellschaft“ in Frage. Hier betrug der Forschungsetat im Jahr 2005 ca. 2,4 Mio. Euro.

Der Förderbereich „Staat, Wirtschaft & Gesellschaft“ ist inhaltlich folgendermaßen gefasst:

Für die Moderne ist die zunehmende Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels von zentraler Bedeutung. Im Zeitalter der Globalisierung hat dieser Beschleunigungsprozess zu Veränderungen der sozialen Lebenswelt geführt, die die Grundlagen nationaler Rechts- und Wirtschaftsordnungen erschüttern, den Anspruch des demokratischen Verfassungsstaates, das einzig legitime Modell politischer Ordnung in der modernen Welt zu sein, in Frage stellen, traditionale Institutionen menschlichen Zusammenlebens verändern und bis in die Alltagswelt des einzelnen hinein Chancen für neue Kulturkontakte eröffnen, damit zugleich aber auch die Gefahren neuer Kulturkonflikte erhöhen. Diese Wandlungsprozesse stellen auch Selbstverständlichkeiten in Frage, die bisher in vielen Disziplinen erkenntnisleitend waren: wenn beispielsweise Nationalökonomien zunehmend in der Weltwirtschaft aufgehen, internationale Rechtsordnungen nationale Rechtsregime in die Schranken weisen und Nationalstaaten sich zu größeren Einheiten zusammenschließen und sich damit ihrer Souveränität begeben, können davon Wissenschaften nicht unberührt bleiben, deren Gegenstände die Wirtschaft, das Recht und der Staat sind.

Im Förderungsbereich "Staat, Wirtschaft und Gesellschaft" will die Fritz Thyssen Stiftung insbesondere Forschungsvorhaben unterstützen, die die Voraussetzungen und die Folgen der Wandlungsprozesse untersuchen, die die heutigen Gesellschaften kennzeichnen. Sie konzentriert sich dabei auf Projekte, die sich den Wirtschaftswissenschaften, den Rechtswissenschaften, der Politikwissenschaft, der Soziologie und der Ethnologie zuordnen lassen. Sie schließt damit Forschungen in anderen Bereichen der Sozialwissenschaften nicht aus. Sie fördert Projekte, die die Methodenvielfalt produktiv befördern und komparativ orientiert sind – sowohl, was den europäischen Raum als auch europaübergreifende Fragestellungen angeht. Sie legt besonderen Wert auf die Förderung von Projekten, die an der Schnittstelle mehrerer Disziplinen angesiedelt sind. Nicht zuletzt werden solche interdisziplinären Projekte im Querschnittbereich der Internationalen Beziehungen unterstützt, welche die Stiftung traditionell fördert.

Die Stiftung will sowohl Projekte exemplarischen Zuschnitts mit deutlich empirischem Charakter fördern als auch Arbeitsvorhaben, die vorrangig von theoretischen Interessen geleitet werden.

>>> Im Unterpunkt „Soziologie“ findet sich der einzige explizite Bezug zum Thema Geschlechterverhältnisse. Dort heißt es:

Seit ihrer Entstehung versteht sich die Soziologie als Schlüsseldisziplin der modernen Industriegesellschaft. Der Wandel der Industriegesellschaft stellt die Soziologie daher vor besondere Herausforderungen. Die Fritz Thyssen Stiftung möchte in dieser Umbruchperiode insbesondere sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben fördern, die den Wandel von der Arbeits- zur Wissenschaftsgesellschaft zum Thema haben und Ausblicke auf künftige Entwicklungen der Industriegesellschaft eröffnen. Dieser Wandel soll in all seinen Auswirkungen untersucht werden, die nicht nur die Arbeitswelt, sondern beispielsweise auch biographische Karrieren, Veränderungen familialer Strukturen und Umbrüche der Mentalitäten sowie Innovationen der Lebensstile und der Lebensführung betreffen. Dazu gehören Untersuchungen zu neuen Formen der Erwerbsarbeit und der Berufswege ebenso wie Wandlungen traditioneller Biographiemuster und des Freizeitverhaltens. Von Bedeutung wären Analysen zum Wandel der Geschlechterbeziehungen, die sich durch den Wertzuwachs bestimmter Tätigkeitsfelder ergeben (Kindererziehung, Altenpflege, Betreuungsaktivitäten), sowie Untersuchungen zur Veränderung der Generationenbeziehungen, die sich heute aufgrund dramatischer demographischer Umbrüche unübersehbar wandeln. Erwünscht wären Studien, die sich dem Umbau der traditionalen Arbeitsgesellschaft zur Wis-sensgesellschaft widmen, in der die Schaffung neuen Wissens, dessen intelligente Nutzung und schnelle Anwendung von vorrangiger Bedeutung sind. Aufmerksamkeit sollte neuen Prozessen des Lehrens und Lernens gewidmet werden, die traditionale Sozialisationsagenturen von der Schule bis zur Universität verändern; wir stehen vor entscheidenden Revisionen der Didaktik und der Curricula.
Im Bereich der Soziologie räumt die Fritz Thyssen Stiftung Projekten eine hohe Priorität ein, die unser Verständnis des sozialen Wandels in der Gegenwart mit Blick auf die Gesellschaft der Zukunft befördern könnten. <<<

Fördermöglichkeiten:

Die Stiftung fördert neben Forschungsprojekten auch kleinere wissenschaftliche Tagungen mit dem Ziel:

  • der Bearbeitung interdisziplinärer Fragestellungen
  • der Kooperation von Experten verschiedener Fachrichtungen
  • des internationalen Austausches im engeren Fachgebiet
  • der Diskussion und Ausarbeitung konkreter Themen bis zur Publikation der gemeinsam erarbeiteten Erkenntnisse.

Kongresse oder größere Konferenzen werden nicht gefördert.

Im Rahmen der Projektförderung betreibt die Fritz Thyssen Stiftung keine Verbundförderung, sondern finanziert ausschließlich in sich abgeschlossene Einzelanträge. Da sie es sich jedoch zugleich zum Ziel macht, die Kommunikation in der Wissenschaft zu fördern, werden Projekte, die im Austausch mit anderen (Einzel-)Projekten stehen, begrüßt. Wenn sie in sich abgeschlossen sind, können sie als Einzelanträge gestellt werden.

Antragstellung:

Anträge können grundsätzlich nur aus einer Hochschule bzw. gemeinnützigen Forschungseinrichtung heraus gestellt werden. AntragstellerInnen müssen promoviert sein. NachwuchswissenschaftlerInnen können im Rahmen eines Projekts die eigene Stelle beantragen.
Hinweise zur Antragsstellung finden Sie hier.
Projektanträge können der Fritz Thyssen Stiftung bis zum 30. September 2009 (für die Sommersitzung 2008) vorgelegt werden.
Die Stiftung erwartet, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit durch eine Publikation der Wissenschaft nutzbar gemacht werden. Ein Antrag auf Druckbeihilfen kann im Bedarfsfall gestellt werden.

Fritz Thyssen Stiftung
Am Römerturm 3
50667 Köln
Tel: 0221 / 27 74 96-0
Fax: 0221 / 27 74 96-29
E-Mail: fts@fritz-thyssen-stiftung.de
Web: www.fritz-thyssen-stiftung.de/

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