
Silvia Kontos
Zum Wandel von Theorien und Politik der Prostitution
Welche Bedeutung hat die Prostitution im Rahmen von Geschlechterverhältnissen, die den normativen Vorgaben monogamer Eheverhältnisse immer weniger verpflichtet sind? Prostitution ist keineswegs das ›älteste Gewerbe der Welt‹, hat aber in modernen Gesellschaften eine so lange Tradition, dass sie zum Kernbestand bürgerlicher Geschlechterverhältnisse gerechnet werden muss. Warum es noch in Gesellschaften mit großer sexueller Freizügigkeit einen Bedarf an prostitutiven Angeboten gibt, ist allerdings erklärungsbedürftig. Gleichzeitig stellt die Prostitution ein hoch umkämpftes politisches Terrain dar. Auf keinem anderen Feld der Geschlechterpolitik hat der Staat in ähnlicher Weise reglementiert und reguliert wie hier.
Silvia Kontos rekonstruiert zunächst im historischen Kontext die verschiedenen theoretischen Angebote, die die ›Notwendigkeit‹ und Unausweichlichkeit der Prostitution in bürgerlichen Gesellschaften erklären sollen, wobei die meisten, und auch neuere Theorieangebote wie die ›Neosexualitäten‹, einem geschlechterpolitischen ›Funktionalismus‹ das Wort reden. Der zweite Teil gilt dem politischen Regime der Prostitution, das durchaus keine stabile Regulierung der Prostitution hervorzubringen vermag.
Die Autorin:
Silvia Kontos ist Professorin an der Hochschule RheinMain (früher: Fachhochschule Wiesbaden) und lehrt im Fachbereich Sozialwesen.