Wir gratulieren ganz herzlich Christina Cazzini (M.A.) der Hochschule RheinMain
und Steve Massoth (B.A.) der Frankfurt University of Applied Sciences zum Erhalt
des diesjährigen Henriette-Fürth Preis!

In diesem Jahr wurde der Henriette-Fürth-Preis an zwei Absolvent*innen vergeben: Christina Cazzini, Master-Absolventin des kooperativen MA Studiengangs "Soziale Arbeit im Schwerpunkt Sozialraumentwicklung und Sozialraumorganisation" der Hoschulen RheinMain und Fulda und Steve Massoth, Bachelor-Absolvent des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS haben in diesem Jahr den Preis des gFFZ (Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen) für ihre Abschlussarbeiten gewonnen. Die Arbeit von Christina Cazzini trägt den Titel „Protestformen im öffentlichen Raum als provokativer Widerstand oder notwendige Avantgarde zur Realisierung von Utopien?“, die Arbeit von Steve Massoth hingegen ist mit „Antifeminismus in der ‚Identitären Bewegung‘ – eine Videoanalyse“ betitelt.

Die MA-Thesis wurde von Prof. Michael May und Prof.in Monika Alisch betreut von den Fachbereichen Sozialwesen der Hochschule RheinMain und Hochschule Fulda. Die BA-Thesis wurde von Prof.in Michaela Köttig und Beatrix Schwarzer des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS betreut. Das gFFZ zeichnet damit nicht nur die Absolvent*innen aus, sondern würdigt auch die Arbeit der Betreuenden.

Auszeichnungswürdige Arbeiten zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen

Die Studien überzeugten die Jury, die aus Vertreter*innen der Hessischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und des öffentlichen Lebens besteht, vor allem durch ihre gesellschafts- und professionspolitische Aktualität.

Feministische Protestbewegungen als Avantgarde für gesellschaftliche Veränderungen

Die Arbeit von Christina Cazzini beschäftigt sich mit den Protestformen feministischer Aktivistinnengruppen im öffentlichen Raum und geht dabei der Frage nach, inwieweit sie als Ausdruck des Politischen zu verstehen sind. Dazu nimmt sie zwei medial vielbeachtete Gruppierungen in den Blick: zum einen die russische Gruppe „Pussy Riot“, eine  regierungs- und kirchenkritische Punkrock-Band aus Moskau, von denen einzelne Mitglieder zeitweise inhaftiert wurden, zum anderen die Slut‐Walk-Bewegung (Schlampenmarsch), die ihren Ursprung in Kanada hatte, nachdem die Polizei zur Gewaltprävention vorgeschlagen hatte: „women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized“. Der Autorin gelingt es, Möglichkeiten und Grenzen der subversiven Umdeutung und Ironisierung heteronormativer Alltäglichkeiten als symbolpolitischen Widerstand gegen hegemoniale Verhältnisse zugänglich zu machen. In der Inszenierung des öffentlichen Aufstandes mit ihren demonstrativen Zitierungen gesellschaftlicher Frauenabwertung, machen diese Gruppierungen auf gesellschaftliche Schieflagen aufmerksam. Cazzini zufolge erfüllen sie damit eine bedeutsame avantgardistische Aufgabe. So bedarf es – mit den Worten der Autorin – der Menschen und Bewegungen für die Utopie gesellschaflticher Veränderung.

Antifeministische Kampagnen der Neuen Rechten bespielen verschiedene Ausdrucksformen der Frauenfeindlichkeit

Steve Massoth schaut sich demgegenüber Bewegungen an, die ‚Antifeminismus‘ propagieren. Er beschäftigt sich mit zwei Kampagnen der ‚Identitären Bewegung‘, dem intellektuellen Milieu der extremen Rechten. Anhand ausgewählter Videos der Kampagnen „120 Dezibel“ zum einen und „Radikal Feminin“ zum anderen, kann der Autor durch detaillierte Videoanalysen zeigen, dass sich der gegenwärtige Antifeminismus in verschiedenen „Spielarten“ zeigt: Die Botschaft von „Radikal Feminin“ lässt sich dem Autor zufolge als klassischer Antifeminismus bezeichnen. Hier wird auf eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen abgezielt, in welcher die gesellschaftliche Funktion der Frau in der  Mutterschaft gesehen wird. Feminismus wird dabei als schädlich für Frauen diskreditiert. „120 Dezibel“ hingegen nimmt eine andere Stoßrichtung ein: Der hier vermittelte Antifeminismus zeigt sich in einer Inszenierung eines vermeintlichen „wahren Feminismus“. In diesem wird über eine kulturrassistische Deutung des ‚fremden Mannes‘ als sexuellem Gewalttäter auf die Herstellung einer gemeinsamen ‚Frauensolidarität‘ und Widerstand abgezielt. Die  Videoanalyse macht  deutlich, über welche Medien die ‚Neue Rechte‘ öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Ein dringliches Anliegen des Autors selbst ist,  das destruktive Potential antifeministischer Bündnisse aufzuzeigen, denn letztlich sind beide Spielarten des Antifeminismus als zutiefst frauenfeindlich zu werten.

Die Preisverleihung von Christina Cazzini fand am 23.5.2019 an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden statt. Steve Massoth wurde am 3.7.2019 im Rahmen des Studientags Rechtsextremismus mit dem Henriette-Fürth-Preis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 500€ dotiert. Prof.in  Dr. Lotte Rose, die Geschäftsführerin des gFFZ, widmete beiden Preisträger*innen eine Laudatio.

Der Henriette-Fürth-Preis dient der gezielteren Förderung besonders qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Frauen- und Genderforschung an hessischen Hochschulen.