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TitelFreizeitwelten von Mädchen und Jungen. Eine Fragebogenerhebung in ausgewählten Frankfurter Stadtteilen
Namen der ForscherInnenProf. Dr. Lotte Rose, Dipl.-Sozialarbeiter Lutz Wodtke, Studentin Sozialarbeit Kirsten Kullmann
Institution, an der die Forschung durchgeführt wurde (Fachhochschule, Fachbereich)Frankfurt University of Applied Sciences, Fb 4 Soziale Arbeit und Gesundheit
KooperationspartnerFrauenreferat und Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main
StichworteKinder- und Jugendarbeit, Gender Mainstreaming, Kindheits- und Jugendforschung
KurzbeschreibungZiel der Studie war die Erfassung der Freizeitsituation von Mädchen und Jungen in Frankfurt am Main. Die Untersuchung wurde vom Frankfurter Jugend- und Sozialamt und vom Frauenreferat in Auftrag gegeben und von einer Projektgruppe aus VertreterInnen des Jugend- und Sozialamtes und des Frauenreferats konzipiert und fachlich begleitet. Die Erhebung wurde im Rahmen eines Lehrforschungsseminars unter Beteiligung von Studierenden im WiSe 2004/05 durchgeführt. Erhebungsinstrument war ein standardisierter Fragebogen mit quantitativen und qualitativen Fragen. Befragt wurden Schülerinnen und Schüler aus mehr als 100 Schulklassen der Klassenstufen 5 bis 10 in ausgewählten Frankfurter Schulen aller Schulformen (N=2485).

Ausgewählte Ergebnisse:

• Der Alltag von Schülerinnen und Schülern dreht sich vor allem um die Schule. Drei von fünf Schülerinnen und Schülern (60,4%)
sind auch nachmittags in der Schule, und auch am Wochenende„machen” viele Schülerinnen und Schüler „was für die Schule”
(mehr GymnasiastInnen als HauptschülerInnen). Ein gutes Drittel (35,6%) der Schülerinnen und Schüler verbringt bis zu einer
Stunde täglich mit der Erledigung der Hausaufgaben, fast die Hälfte zwischen einer und zwei Stunden und ein Sechstel mehr
als zwei Stunden. Den höchsten Zeitaufwand haben Mädchen und Befragte, deren Eltern beide aus dem Ausland stammen.

• 46,9% der Befragten gaben an, dass sie Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen. Andererseits gaben 9,2% aller Befragten an,
dass sie keine Hilfe bekommen, es aber gut wäre, wenn es jemanden gäbe, der ihnen helfen würde. Wenn beide Eltern aus
dem Ausland kommen, ist dieser Wunsch überdurchschnittlich häufig (13,4%).

• 22,3% Mädchen, deren Eltern beide aus dem Ausland kommen, übernehmen eine Stunde am Tag Arbeiten im Haushalt, während
es bei Jungen, deren Eltern beide deutsch sind, nur 4,0% sind.

• Mädchen, jüngere Befragte, Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und Kinder und Jugendliche, deren Eltern beide aus
Deutschland stammen, treffen sich mit ihren Freunden deutlich häufiger bei sich oder den Freunden zu Hause als andere Befragte.
In Vereinen treffen vergleichsweise häufig Jungen, GymnasiastInnen und Befragte, deren Eltern beide aus Deutschland stammen, ihre Freunde. Jugendeinrichtungen erfüllen diesen Zweck vor allem für ältere Befragte, Hauptschüler und Befragte, deren Eltern beide aus dem Ausland stammen. Es zeigt sich, dass der Anteil derjenigen, die sich zu Hause mit ihren Freunden oder Freundinnen treffen, höher ist, wenn ein eigenes Zimmer vorhanden ist, als wenn dies nicht der Fall ist (es haben 88,2% der Jungen und Mädchen, deren Eltern beide deutsche Herkunft sind, ein eigenes Zimmer, aber nur 53,6%, deren Eltern beide ausländischer Herkunft sind). Noch größer allerdings als das Vorhandensein eines eigenen Zimmers ist die Bedeutung der Herkunft der Eltern.

• Geschäftsstraßen und Einkaufszentren sind neben Geschäften die häufigsten Aufenthaltsorte, wenn die Befragten draußen in
der Stadt unterwegs sind. Dies gilt vor allem für Mädchen. Auch die Straßen im eigenen Wohnviertel werden häufig genannt
(38,%), deutlich seltener Parks (23,2%) und Spielplätze (16,0%).

• Jeder bzw. jede siebte Befragte (14,8%) gab an, eine Jugendfreizeiteinrichtung regelmäßig zu besuchen. Als Nutzungsgrund
dominiert, Freunde zu treffen (38,0%). Alle anderen Motive wie interessante Angebote (12,5%), mit Erwachsenen reden können
(4,2%), Hilfe bei Problemen (5,1%) oder bei Hausaufgaben zu bekommen (4,8%), wurden deutlich seltener genannt.

• Wenn die Mädchen und Jungen zu Hause sind, beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit modernen (Kommunikations-)Medien wie Fernsehen und Computer. Jungen besitzen häufiger einen eigenen Computer als Mädchen, ältere Befragte häufiger als jüngere, während für den Besitz eines Computers die Schulstufe und die Herkunft der Eltern nur eine geringe
Rolle spielen.

• Fast alle Befragten (94,2%) haben „eigenes Geld”. Der Anteil derjenigen, die selber Geld verdienen, liegt bei den unter
14-Jährigen bei 11,3%, während er bei den älteren Schülerinnen und Schülern 25,8% erreicht. Jungen verfügen über mehr eigenes
Geld als Mädchen (48,80 € gegenüber 35,30 € monatlich) und Kinder, deren Eltern beide deutsch sind, über weniger als Kinder,
deren Eltern beide ausländischer Herkunft sind (35,70 € gegenüber 45,70 € monatlich).

• Insgesamt haben 93,2% der Jungen und 94,5% der Mädchen einen „richtig guten Freund” oder eine „richtig gute Freundin”,
auf den oder die sie sich verlassen können. Zwei Drittel der befragten Jugendlichen fühlen sich einer Clique zugehörig.
Gymnasiastinnen treffen sich am häufigsten in reinen Mädchengruppen, bei den Jungen verbringen am häufigsten die Haupt -
schüler ihre Freizeit in geschlechtshomogenen Gruppen. Jugend liche, die mindestens einen Elternteil ausländischer
Herkunft haben, treffen sich deutlich häufiger in Jugendcliquen mit Jungen und Mädchen unterschiedlicher Nationalitäten. Zwei
Drittel der Jugendlichen, deren Eltern beide Deutsche sind, geben an, sich in Cliquen mit Jugendlichen ausschließlich einer
Nationalität zu treffen.

• Sind beide Eltern deutscher Herkunft, sind sie für 54,4% der Befragten Personen, mit denen man über seine Probleme reden
kann, ist ein Elternteil ausländischer Herkunft, sind es 46,9%, und wenn beide Eltern ausländischer Herkunft sind, sind es nur
38,5%.
Finanzierung, FördermittelJugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main, Frauenreferat, Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Laufzeit05/2004-07/2006
Veröffentlichungen im Zusammenhang mit diesem ForschungsprojektDer Forschungsbericht ist erhältlich bei der Jugendhilfeplanung des Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main, Herrn Hladjk
KontaktProf. Dr. Lotte Rose
Frankfurt University of Applied Sciences
Fb Soziale Arbeit und Gesundheit (Sozialarbeit)
D-60318 Frankfurt am Main
rose@fb4.fra-uas.de