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TitelSoziale Freiwilligenarbeit im Ausland - Eine differenzkritische Ethnografie in Südostafrika
Name der ForscherInnenAlice Blum, Dorothee Schäfer
Institution, an der die Forschung durchgeführt wurde (Fachhochschule, Fachbereich)Frankfurt University of Applied Sciences, Frankfurt am Main,
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
StichworteInternationale Soziale Arbeit, Freiwilligenarbeit, Südostafrika, Genderkonstruktionen, Intersektionalität, Neokolonialismus
KurzbeschreibungSoziale Arbeit profiliert sich bereits seit einigen Jahrzehnten erfolgreich als Profession und Disziplin. Im Zuge dessen geht es um die Herstellung einer ‚Identität‘ Sozialer Arbeit und um die Anerkennung Sozialer Arbeit auf dem Feld der Wissenschaften und Professionen. Gleichzeitig wird unter dem Begriff Soziale Arbeit auch für Freiwilligendienste, Volunteering oder Voluntourismus im Ausland geworben. Eine Vielzahl junger Menschen geht vor der Berufseinmündung für mehr oder weniger lange Zeiträume in soziale Einrichtungen im Ausland, um dort Menschen zu helfen. Hierbei befindet sich Soziale Arbeit im Spannungsfeld zwischen formell geregelten, kontrollierten, gemeinwohlorientierten staatlichen Hilfe- und Förderprogrammen und einer sozialen Dienstleistung, die profitwirtschaftlich im Rahmen des Voluntourismus vermarktet wird. Die kritische Frage dabei ist, inwiefern eine professionelle Soziale Arbeit hier stattfindet, die methodisch gestaltet, reflektiert und angeleitet wird und in der Menschenrechte und – im Fall des Arbeitseinsatzes in Heimeinrichtungen und Schulen – Kinder- und Jugendschutz beachtet werden.

Weiterhin stellt sich die Frage nach Genderkonstruktionen in der Sozialen Arbeit im Allgemeinen und im Speziellen im Feld der Freiwilligendienste. Soziale Arbeit ist nach wie vor ein ‚Frauenberuf‘. Eine erste Recherche zeigt, dass auch die Angebote des Voluntourismus überwiegend von jungen Frauen wahrgenommen werden, die dazu ‚weiß‘ sind. Ein Blick auf Werbematerialien, Fotos und Texte zeigt, dass die Marketingstrategien vor allem mit Attributen spielen, die vorwiegend weiblich sozialisierte Personen adressieren. Des Weiteren kommen Rassismen in der Konstruktion des Verhältnisses zwischen den Helfenden aus privilegierten Ländern und den Hilfeempfangenden aus armen Ländern zum Tragen, was die Frage danach aufwirft, inwiefern sogenannte ‚Freiwilligendienste‘ Teil neokolonialer Praktiken sind, die wiederum in Interdependenz zu weiteren Differenzkategorisierungen stehen.
Das Projekt wurde im Rahmen eines Forschungspraxismoduls im MA Forschung in der Sozialen Arbeit der FRA-UAS konzipiert. Es untersucht ethnografisch die Praktiken in der Freiwilligenarbeit in Südostafrika, einer Region mit einer langen Tradition von Besatzung durch den europäischen Westen. Was erleben die jungen Helfenden dort? Was ‚machen‘ die Einsatzstellen und die dortigen Menschen mit den Helfenden und der Hilfe? Wie wird in der sozialarbeiterischen Praxis Differenz hergestellt und aufrechterhalten? Während eines dreiwöchigen Feldaufenthalts wurden teilnehmende Beobachtungen und narrative Interviews mit den AkteurInnen vor Ort durchgeführt. Dieses Material wird derzeit ausgewertet. Ergänzend wird das Werbematerial der Voluntourismus-Firmen inhaltsanalytisch untersucht.
Finanzierung, FördermittelgFFZ, Frankfurt University of Applied Sciences, Dekanat Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Laufzeit01.04.2015 - 31.03.2016
KontaktAlice Blum: blum@fb4.fra-uas.de,
Dorothee Schäfer: dorotheescha@fb4.fra-uas.de