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TitelWandlungen im Zusammenleben von Generationen und Geschlechtern
Namen der ForscherInnenProf. Dr. Cornelia Mansfeld
Institution, an der die Forschung durchgeführt wurde (Fachhochschule, Fachbereich)Evangelische Hochschule Darmstadt
KooperationspartnerZentrum Seelsorge und Beratung der EKHN; Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EkFuL)
StichworteGenerationen, Geschlechter, Paarbeziehungen, Familien- und Lebensberatung
KurzbeschreibungUmfangreiche Erfahrungen mit dem Wandel in Familien haben zahlreiche Mitarbeite-rinnen und Mitarbeiter in Allgemeinen Familien- und Lebensberatungsstellen, deren Arbeit durch die Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EKFuL) begleitet wird. Diese Einrichtungen wurden häufig in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gegründet, und die erste Generation der dort Tätigen kann den Entwicklungs-zeitraum von zwei bis drei Jahrzehnten überblicken. Es ist eine Generation, die jetzt in den Ruhestand geht und die über einen umfassenden Reichtum an Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen verfügt: Über dreißig Jahre hat sie die Entwicklung von materiellen und psychischen Verflechtungen in Familien beobachten, die verän-derten Formen institutioneller, also gesellschaftlicher Einflussnahme verfolgen kön-nen und Entwicklungen methodischen Arbeitens und methodischer Orientierung er-lebt. Aktuell ist sie mit der Frage konfrontiert, wie unter den Bedingungen geringer werdender materieller Ressourcen die Arbeit neu strukturiert werden kann.

In der Untersuchung sind diese Beraterinnen und Berater befragt worden, um ihre Perspektive auf den sozialen Wandel in Familien und auf Formen des Zusammenle-bens von Generation und Geschlecht zu erheben.

Forschungsfragen waren:
  • Wie stellt sich der Wandel in Beziehungen zwischen Geschlechtern und Generatio-nen aus der Sicht von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von psychologischen Bera-tungsstellen dar?
  • Welche Zusammenhänge von Lebenslagen und Beziehungen zwischen den Fami-lienmitgliedern nehmen die MitarbeiterInnen wahr?
Wichtigste Ergebnisse:
In einem Gesamtblick fällt zunächst auf, dass aus der Sicht von Beraterinnen und Beratern die gegenwärtigen Paarbeziehungen von ähnlichen Strukturen wie die Eltern-Kind-Beziehungen gekennzeichnet sind. Beide müssen sich in einer Situation geringer werdender ökonomischer Sicherheit entfalten. Variationen über die Konflikt-vermeidung in den Beziehungen zwischen Generationen und Geschlechtern werden deutlich: Während in der Eltern-Kind-Beziehung das Streben nach Harmonie not-wendige Auseinandersetzungen zwischen den Generationen zu verhindern schei-nen, vermeiden Paare die Auseinandersetzung, indem sie sich vorher trennen. Bei-des scheint mit einer gewissen Sprachlosigkeit einher zu gehen. Auch hier zeigt sich, dass Diskurs, Austausch, Verstehen des Anderen und Eigenen im Umgang mit Kon-flikten nicht stattfindet. Beides könnte im Kontext eines Strebens nach perfekten Le-bensformen zwischen Generationen und Geschlechtern zu verstehen sein. Das Stre-ben nach Perfektion verhindert den Umgang mit Konflikten, die die Beschäftigung mit Widersprüchen und Ambivalenzen verlangen würden. Es stellt sich die Frage, wie sich Beziehung und Bindungswünsche unter diesen Bedingungen entwickeln und gelebt werden. Was geschieht mit dem menschlichen Bedürfnis nach Bindung unter Bedingungen, die den Beteiligten nahe legen, dass der/die Einzelne den Ansprüchen nicht genügen kann? Wie kann bei Kindern und Erwachsenen das Gefühl entstehen, angenommen zu sein, mit den Unvollkommenheiten, die zum menschlichen Leben gehören? Die Ergebnisse könnten dadurch erklärt werden, dass der Denkstil des Perfekten, Fehlerfreien, der „Exzellenz“ im Berufsbereich auf den Raum des Intimen übertragen wird. Im Beruf ist „Exzellenz“ durch knapper werdende Mittel nicht zu rea-lisieren, ebenso wie bei Paaren und in Familien, was jedoch offen und öffentlich ge-nauso wenig thematisiert wird, wie Überforderung in Familien besprochen werden kann. Das Ergebnis legt nahe, dass trotz häufiger Versuche die Familie und das Paar nicht als Gegenentwurf zum öffentlichen Leben gestaltet werden können, sondern dessen Strukturen spiegeln
Finanzierung, FördermittelEH Darmstadt Forschungszentrum
Laufzeitseit Februar 2006 fortlaufend
Veröffentlichungen im Zusammenhang mit diesem ForschungsprojektMansfeld, Cornelia: Verunsicherte Väter – verunsicherte Mütter. Wandel im Zusammenleben von Generationen und Geschlechtern aus der Sicht von langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern psychologischer Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft, in: Fokus Beratung, November 2007.
KontaktProf. Dr. Cornelia Mansfeld
EH Darmstadt
Zweifalltorweg 12
D-64293 Darmstadt
Tel.: 06151 8798-68