Titel„Doing Gender in der Erlebnispädagogik“
Name der ForscherinRamona Schneider
Institution an der die Forschung durchgeführt wirdPromotionszentrum Soziale Arbeit (Hochschule RheinMain, Frankfurt University of Applied Sciences, Hochschule Fulda)
Stichworte

Stationäre und ambulante Kinder- und Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit, erlebnispädagogische Interventionen, Klettern, Bouldern, Doing Gender, Ethnographie

Laufzeit

02/2018 - 10/2020

Kontaktr.schneider.nbg@web.de
KurzbeschreibungDen Untersuchungen erlebnispädagogischer Interventionen mit Kindern und Jugendlichen wird meist eine differenztheoretische Vorstellung von Geschlecht zugrunde gelegt. Dabei wird außer Acht gelassen, dass das Geschlecht als Produkt einer sozialen Praxis (vgl. West & Zimmermann 1987) jedoch an den jeweiligen Praxiskontext, die Strukturen des Settings, die Akteure sowie an die sozialen Interaktionen zwischen den AkteurInnen des Feldes gebunden ist. Darüber hinaus wird erlebnispädagogischen Maßnahmen aufgrund ihrer Anwendung von Abenteuer- und Risikosportarten, wie sie auch das Bouldern und Klettern sind, eine Orientierung an „männlichen“ Bedürfnissen und Attributen vorgeworfen. Allerdings zeigen Forschun-gen zum Sportklettern und Bouldern im Kontext der Freizeit auch situative Möglichkeiten zur Geschlechtsneutralisierung auf. Das Dissertationsprojekt möchte erlebnispädagogische Interventionen in einem sozialpädago-gischen Setting mit dem Medium Bouldern/Klettern im Kontext der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfe sowie der Jugendsozialarbeit (§§ 11, 13, 27 – 35 SGB VIII) im Hinblick auf Undoing und Doing Gender Praktiken untersuchen. Dabei wird neben den institutionellen Arrangements und Strukturen, der vorhandenen Materialität sowie den Praktiken und Interaktionen der Kinder und Jugendlichen auch die Rolle der professionellen Fachkraft resp. der Fachkräfte in den sozialen Interaktionen mitbedacht. Denn auch die Fachkräfte handeln im Sinne ihres geschlechtlichen Habitus (vgl. Bourdieu 1997, Meuser 2010), wodurch das Geschlecht als soziale Kategorie aktualisiert und geschlechtsstereotype Darstellungen und Zuschreibungen im Rahmen der professionellen Hilfebeziehung an die Kinder sowie die jugendlichen Akteure herangetragen werden können. Mit Hilfe teilnehmender Beobachtung und leitfadengestützten ethnographischen Interviews (Spradley 2016) werden die situativ- und kontextabhängigen Praxen der Konstruktion und Neutralisation von Geschlecht als soziale Kategorie und die Herstellung sozialer Ordnung im Kontext des erlebnispädagogischen Boulderns/Klettern in einem sozialpädagogischen Setting rekonstruiert, interpretiert sowie ihr sozialer Sinn erschlossen. Durch die Rekonstruktion der Prozesse und interaktiven Praxen, wann und wie Geschlecht als soziale Kategorie aktualisiert oder neutralisiert wird, soll in diesem Kontext implizites Geschlechterwissen explizit gemacht werden. So soll es unter anderem ermöglicht werden, in diesem Setting erfolgte Prozesse zur Reproduktion von Genderstereotypen und des Systems der Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern.