TitelGeschlechterordnungen der Diskriminierung dicker Körper. Eine Untersuchung der Biografien von Menschen mit hohem Körpergewicht  
KeywordsDicksein, Fat Studies, Gender-Unterschiede, Diskriminierung    
ForscherInnenProf. Dr. Lotte Rose, Dr. Eva Tolasch (ehem.), Judith Pape
InstitutiongFFZ/FRA-UAS
Laufzeit2018-2019
FinanzierungHMWK
Kontaktrose@fb4.fh-frankfurt.de
Kurzbeschreibung

Seit einigen Jahren verstärken sich die Meldungen zu steigenden Übergewichtsraten in der Bevölkerung. Es wird gar von der ‚Bevölkerungsepidemie Adipositas‘ (Schorb 2015) gesprochen – ein ‚Wording‘, das die körperlichen Vergrößerungsphänomene als gefährliche Ansteckungsgefahr konstruiert. Dicke geraten damit in einen spezifischen diskriminierenden Aufmerksamkeitsfokus. Sie werden nicht allein zu einer gesellschaftlichen Belastung erklärt, sondern fortwährend bedrängt, an ihrem Körper zu arbeiten und ihn den idealisierten Gewichtsnormen anzupassen. Diese Zugriffe erscheinen legitim, fürsorglich und verantwortungsvoll gegenüber den betroffenen Menschen.

Während sich die US-amerikanischen Fat-Studies schon seit geraumer Zeit der kritischen Erforschung der Diskriminierung von Dickleibigkeit widmen (u.a. Campos 2005, Rothblum u.a, 2009), sind entsprechende Ansätze in Deutschland kaum entwickelt. Dies gilt für die Theorieentwicklung wie auch die Empirie zum Leben der betroffenen Menschen. Als Ausnahmen sind verschiedene diskurskritische Publikationen von Friedrich Schorb zu nennen (2009, 2015; Schmidt-Semisch/Schorb 2008) und die empirische Studie von Eva Barlösius u.a. zum Dicksein von Jugendlichen mit deutschem und türkischem Hintergrund (2012, 2014).  

Was die Genderforschung in den Fat-Studies betrifft, so lässt sich feststellen, dass zwar bereits in den Anfängen der Frauenbewegung die Anti-Diät-Bewegung (u.a. Orbach 1984) die Geschlechterfrage des Dickseins und der Schlankheitsnormen auf die feministische Agenda hob. In den aktuellen deutschsprachigen Kampagnen und Diskursen um Übergewichtigkeit spielt jedoch – ganz im Gegensatz zu den US-amerikanischen Studien – das Doing Gender keine besondere Rolle mehr. Gleichwohl wird immer wieder am Rande darauf verwiesen, dass die Geschlechter unterschiedlich von Übergewichtigkeit betroffen sind. Die Übergewichtsrate ist einerseits bei Männern höher als bei Frauen. Anderseits tragen übergewichtige Frauen ein größeres soziales Diskriminierungsrisiko (Schorb 2015). Auch Barlösius u.a. (2012) erwähnen, dass dicke weibliche und männliche Jugendliche unterschiedliche Belastungen erleben. Vor diesem Hintergrund fragt das Forschungsprojekt: Welche Hinweise gibt es dazu, dass der dicke Körper im weiblichen und männlichen Lebenszusammenhang Unterschiedliches bedeutet?

Publikationen und Vorträge:

Pape, Judith/Rose, Lotte/Tolasch, Eva (2018): Entschlossen, erfolgreich - dick. Annäherungen an einen vermeintlichen Widerspruch. (i.V.)

Rose, Lotte (2018): Schwer sein, ist nicht leicht! In: Deutsche Hebammenzeitschrift 07/2018, 36-40.

Schuckmann, Katharina/Rose, Lotte (2017): Übergewicht als Thema der Jugendhilfe. Ergebnisse einer Exploration im Allgemeinen Sozialen Dienst eines Jugendamtes. In: Rose, Lotte/Schorb, Friedrich (Hrsg.): Fat Studies in Deutschland. Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung. Weinheim/Basel: Beltz Juventa: 204-218.

Tolasch, Eva (2017): What's wrong with being fat? Erzählungen vom Dicksein von Menschen mit hohem Körpergewicht. In: Rose, Lotte/Schorb, Friedrich (Hrsg.): Fat Studies in Deutschland. Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung. Weinheim/Basel: Beltz Juventa: 97-122.

Tolasch, Eva/Rose, Lotte/Pape, Judith (2018): ",Ich bin willensstark [...] und entscheide das für mich!" Gouvernementale Selbstführungsstrategien des Abnehmens (i.V.)

Tolasch, Eva/Rose, Lotte/Pape, Judith (2018): Wie wird Männlichkeit konstruiert? Ein Blick auf die Hinter- und Vorderbühne in Fußballberichten mit Menschen mit hohem Körpergewicht. (i.V.)

Vorträge

„Fat Women*, Fat Men* – ein (folgen)schwerer Unterschied?“ Vortrag gemeinsam mit Lotte Rose auf dem Symposium „Doing Fat. Performance and Representation of Fat Bodies, organisiert von Friedrich Schorb und Anja Herrmann an der LMU München am 18.11.2017.    

„‚...ich wollte ja nicht irgendeine Spezialeinheit GSG 9 oder so‘“ – hohes Körpergewicht und Geschlecht in der Verhandlung“, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences Wiesbaden Rüsselsheim, Wiesbaden am 10.01.2018

Haben Stigmatisierungen ein Gewicht?  Lebensgeschichten von Männern* und Frauen* mit hohen Körpergewicht und Konsequenzen für Therapie und Prävention. Im Rahmen des Symposiums „Stigmatisierungen von Adipositas – Konsequenzen für Prävention und Therapie“ auf dem Kongress vom Verband für Ernährung und Diätetik vom 14.-16. September 2018