Bedeutende Informatikerinnen

Historische und noch aktive Informatikerinnen, die besondere Leistungen erbracht haben oder erbringen, teilweise basierend auf der Zusammenstellung der Toolbox, die hier zu finden ist.

Frances E. Allen (*1932): ist eine amerikanische Informatikerin und Pionierin der Compilertechnik. Ihre Verdienste umfassen einflussreiche Arbeiten über Programmoptimierung und Parallelisierung. Sie ist die erste Frau, der der Turing Award verliehen wurde, und auch der erste weibliche IBM Fellow.
Literatur: Peter Seibel: Coders at Work: Bedeutende Programmierer und ihre Erfolgsgeschichten. mitp, 2011,  S.437–464 (Englisch: Coders at Work: Reflections on the Craft of Programming. 2009. Übersetzt von Reinhard Engel).

Gertrud Blanch (*Gittel Kaimowitz) (18971996): war eine russisch-amerikanische Mathematikerin. Blanch kam 1907 aus Polen in die USA und ging in Brooklyn auf die High School mit dem Abschluss 1914. Sie wurde 1938 technische Leiterin beim Mathematical Tables Project in New York City, einem Projekt zur Tabellierung mathematischer Funktionen, das bis 1948 andauerte. Im Zweiten Weltkrieg war das Projekt im Dienst des Militärs. Nach dem Krieg war sie am Institut für Numerische Mathematik der University of California, Los Angeles (UCLA), und danach am Aerospace Research Laboratory der Wright-Patterson Air Force Base.
Literatur: David Alan Grier: Gertrude Blanch of the Mathematical Tables Project, Annals of the History of Computing, Band 19, 1997, S. 18–27.

Kathleen Booth (*1922): arbeitete mit an dem Design von drei unterschiedlichen Maschinen, ARC, SEC und APE(X)C. Sie entwickelte 1948 die ARC Assembler Sprache für Computersysteme am Birkbeck College der University of London.
Literatur: Booth, Andrew D; Britten, Kathleen HV (Sep 1947). "Principles and Progress in the Construction of High-Speed Digital Computers", Quart. Journ. Mech. and Applied Math., 2: 182–197.

Ivona Brandic (*1977): Universitätsprofessorin für High Performance Computing Systems an der Technischen Universität Wien, meistzitierte europäische Wissenschaftlerin im Bereich der Cloud Computing Systeme. Sie beschäftigt sich mit der Laufzeitoptimierungen der ultra-scale Systeme insbesondere in den Bereichen: Virtualisierte HPC Systeme, Energie-effiziente ultra-scale Systeme, Cloud, Web & Workflow Quality of Service (QoS), Service-orientierte verteilte Systeme.
Veröffentlichungen: Michael Maurer, Ivona Brandic, and Rizos Sakellariou. Adaptive Resource Configuration for Cloud Infrastructure Management. Future Generation Computer Systems. Special section: Recent advances in e-Science. 29(2):472-487, February 2013. Toni Mastelic, Jasmina Jasarevic and Ivona Brandic. CPU Performance Coefficient (CPU-PC): A Novel Performance Metric Based on Real-time CPU Resource Provisioning in Time-shared Cloud Environments. 6th IEEE International Conference on Cloud Computing Technology and Science, (CloudCom 2014), Singapore 15-18 Dec. 2014. Toni Mastelic, Ariel Oleksiak, Holger Claussen, Ivona Brandic, Jean-Marc Pierson, Athanasios V. Vasilakos. Cloud Computing: Survey on Energy Efficiency. ACM Computing Surveys (CSUR),Volume 47, Issue 2, Article Nr. 33, December 2014.

Ute Claussen (*1962): ist eine deutsche Informatikerin mit Schwerpunkt Echtzeit-Bildverarbeitung und Lichtberechnung. Sie ist Autorin etlicher Fachbücher und Fachartikel. Nach Studium und Promotion war Claussen bei verschiedenen Hochschulinstituten und Privatunternehmen tätig, so unter anderem bei Singhammer IT Dortmund, Hochtief in Essen, UP-Vision Computergraphik GmbH in Bad Arolsen und AITEC in Dortmund. Zuvor war sie am Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik an der Universität Tübingen sowie dem Zentrum für graphische Datenverarbeitung in Darmstadt tätig.
Veröffentlichungen: Objektorientiertes Programmieren, (1998);GDV-Praktikum, (1990); Beleuchtungsalgorithmen in der Computergrafik,  (1993).

Lynn Conway (*1938): ist eine US-amerikanische Informatikerin. Erfinderin der Generalized Dynamic Instruction Handling.

Corinna Cortes (*1961): ist eine US-amerikanische Informatikerin, bekannt für Arbeiten zur Theorie von Support Vector Machines (SVM). Cortes studierte Physik in Kopenhagen, wo sie am Niels-Bohr-Institut ihren Diplomabschluss machte. Ab 1989 forschte sie bei den AT&T Bell Laboratories, wo sie über zehn Jahre blieb. 1993 wurde sie in Informatik an der University of Rochester promoviert. Sie arbeitet bei Google Inc. in New York, wo sie Leiterin der Forschungsabteilung (Google Research) ist. Sie befasst sich mit Datenbanken, Maschinenlernen und Suchalgorithmen. Neben Beiträgen zur Entwicklung von SVM trug sie auch zum Data-Mining bei.
Literatur: Corinna Cortes, Wladimir Wapnik: Support Vector Networks. In: Machine Learning, Bd. 20 (1995), S. 273–297.

Christiane Floyd (*1943): ist eine österreichische Informatikerin, die 1978 als erste Professorin für Informatik im deutschsprachigen Raum an die TU Berlin berufen wurde. Christiane Floyd studierte ab 1961 an der Universität Wien Mathematik sie wurde1966 zum Dr. phil. promoviert. Im gleichen Jahr ging sie nach München, um beim Siemens Zentrallabor bis 1968 an der Entwicklung eines Algol-60-Compilers für die Siemens 4004 mitzuarbeiten. Seit 1968 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stanford University, von 1973 bis 1977 Leiterin des Bereichs Methodenentwicklung bei Softlab in München. Sie stellte auf der Systems 1975 in München die weltweit erste Entwicklungsumgebung Maestro I zusammen mit Harald Wieler von Softlab vor. Die Entwicklungsumgebung Maestro I wurde weltweit 22.000 Mal installiert. Sie war aktiv an der Durchführung der Internationalen Frauenuniversität ifu beteiligt, die 2000 stattfand, und immer wieder Dozentin auf der informatica Feminale in Bremen.
Veröffentlichungen: Floyd, C., Züllighoven, H., Budde, R., Keil-Slawik R. (Hrsg.), Software Development and Reality Construction, Springer Verlag, Berlin, 1992. Floyd, C., Software Development Process: Some Reflections on the Cultural, Political and Ethical Aspects from a Constructivist Epistemology Point of View, In: Cybernetics & Human Knowing – A Journal of second-order cybernetics autopoiesis and cyber-semiotics, Volume 6, No. 2, 1999. S. 5–18. 1999.

Adele Goldberg (*1945): ist eine US-amerikanische Forscherin auf dem Gebiet der Informatik. Sie war in den 1970er Jahren wesentlich an der Entwicklung der Programmiersprache Smalltalk beteiligt, die wie moderne Benutzeroberflächen bereits grafische Elemente enthielt.
Literatur: Adele Goldberg, David Robson: Smalltalk-80: The Language and Its Implementation. Addison-Wesley, Reading, Mass., 1983, (das „Blue Book“).

Brielle Harrison: Web-Ingenieurin bei Apple, bekannt durch ihren Arbeitsschwerpunkt TechVersity. Sie hat dafür gesorgt, dass es bei Facebook nun 58 verschiedene Gender-Identitäts-Möglichkeiten gibt.

Hedy Lamarr (1914–2000): war eine österreichisch-amerikanische Filmschauspielerin. Sie war vor allem in den 1940er-Jahren ein bedeutender Hollywood-Star. Daneben erfand sie zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das bis heute in der Mobilfunktechnik eine wichtige Rolle spielt. Hedy Lamarr, die sich als Gegnerin des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg auf die Seite der Alliierten stellte, entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung für Torpedos. Der gleichzeitige Frequenzwechsel („frequency-hopping“) wird in der heutigen Kommunikationstechnik zum Beispiel bei Bluetooth-Verbindungen oder mit der GSM-Technik angewendet.
Literatur: Jochen Förster (Bearbeiter), Anthony Loder: Hedy Darling. Hollywood-Ikone, Technik-Pionierin, gefallener Stern. Das filmreife Leben der Hedy Lamarr erzählt von ihrem Sohn [Anthony]. Ankerherz, Hollenstedt 2012,; revidierte Neuausgabe: Mrs. Bluetooth. Die Geschichte eines vergessenen Genies – erzählt von ihrem Sohn, Ankerherz, Hollenstedt 2014,

Marianne Laqueur (1918–2006): war eine deutsche Informatikerin. Sie emigrierte aufgrund der jüdischen Herkunft von August Laqueur mit ihren Eltern im Jahre 1935 in die Türkei. Sie blieb bis 1960 in der Türkei. Später wurde Marianne Laqueur zu einer der ersten weiblichen Computerspezialistinnen. Weltweite Einsätze für diverse Unternehmen, so u.a. IBM und NCR, folgten während der nächsten vierzig Jahre. In ihrem letzten Lebensjahrzehnt war sie eine gefragte Zeitzeugin, die aus eigenem Erleben über die Flucht aus Deutschland und ihr Exil in der Türkei berichten konnte.

Ada Lovelace (1815–1852): sie veröffentlichte als Erste ein komplexes Programm für einen mechanischen Computer. Literatur: Sybille Krämer (Hrsg.): Ada Lovelace – Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2015.
Links: Website der Fakultät für Informatik der Universität Magdeburg anlässlich des 200. Geburtstages von Ada Lovelace: www.ada-lovelace-informatik.de/leben/leben
Website des Ada Lovelace Festivals http://wiwo.konferenz.de/ada/.

Nancy Lynch (*1948): ist eine US-amerikanische Informatikerin. Nancy Lynch studierte am Brooklyn College und wurde 1972 am Massachusetts Institute of Technology bei Albert Ronald da Silva Meyer promoviert (Relativization in the theory of computational complexity). Sie ist am MIT NEC Professor for Software Science and Engineering und leitet die Forschungsabteilung Verteilte Systeme an der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik.
Veröffentlichungen: Distributed Algorithms. Morgan Kaufmann, 1996;mit Michael Merritt, William Weihl, Alan Fekete: Atomic transactions. Morgan Kaufmann, 1994;mit Dilsun Kaynar, Roberto Segala, Frits Vaandrager: The theory of timed I/O automata. Morgan Kaufmann, 2006.

Marissa Mayer (*1975): war 2012 bis 2017 CEO und President von Yahoo, davor Vice President bei Google Inc.

Marlyn Meltzer (1922–2008): war eine US-amerikanische Mathematikerin und Informatikerin. Sie war eine der ersten Programmiererinnen für den Computer ENIAC. Meltzer schloss 1942 ein Studium an der Temple University ab. Ihre erste berufliche Tätigkeit nahm sie im selben Jahr bei der Moore School of Engineering auf. Da sie sich mit der Bedienung von Addiermaschinen auskannte, führte sie dort zunächst Berechnungen zur Wettervorhersage durch. Ab 1943 war sie für die Berechnung ballistischer Flugbahnen zuständig. Neben ihr gehörten noch Kathleen „Kay“ McNulty, Betty Jennings, Betty Snyder, Frances Bilas und Ruth Teitelbaum zu den „ENIAC-Frauen“. Sie wurden 1997 in die Women in Technology International (WITI) Hall of Fame aufgenommen.
Literatur: http://eniacprogrammers.org/eniac-programmers-project/memorials/ http://www.witi.com/center/witimuseum/halloffame/298369/ENIAC-Programmers-Kathleen-McNulty,-Mauchly-Antonelli,-Jean-Jennings-Bartik,-Frances-Synder-Holber-Marlyn-Wescoff-Meltzer,-Frances-Bilas-Spence-and-Ruth-Lichterman-Teitelbaum/

Grace Murray Hopper (1906–1992): Erfinderin des Compilers, Mitentwicklerin der Programmiersprache COBOL. Sie wurde für ihre Leistungen mit über 90 Auszeichnungen geehrt, u.a. mit mehr als 40 Ehrendoktorwürden zudem gibt es ihr zu Ehren den Grace Murray Hopper Award.
Literatur: Kurt Beyer: Grace Hopper and the Invention of the Information Age. The MIT Press, Cambridge MA 2009.

Radia Perlman (*1952): ist eine US-amerikanische Softwareentwicklerin und Netzwerktechnikerin. Berühmt ist sie für ihre Erfindung des Spanning Tree Protocol, welches elementar für den Ablauf der Network Bridges ist. Weiterhin hat sie beträchtliche Beiträge in vielen weiteren Bereichen von Netzwerkdesign und -standardisierung geleistet, wie z.B. den Link-State Protocols. Sie erhielt einen Bachelor und Master in Mathematik, einen Ph.D. in Computer Science des MIT. Außerdem wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Königlich Technischen Hochschule Stockholm (KTH) verliehen. Ihre Doktorarbeit am MIT befasst sich mit dem Thema Routing bei schwerwiegenden Netzwerkfehlern und bildet die Basis für den Großteil der Arbeiten auf diesem Gebiet. Radia Perlman veröffentlicht wissenschaftliche Artikel, ist Buchautorin und Herausgeberin der Radia Perlman Series in Computer Networking and Security. Zurzeit ist sie angestellt bei Intel. Sie hat mehr als 38 Patente eingetragen, alleine bei Sun Microsystems.

Rósza Péter (1905–1977): war eine ungarische Mathematikerin. Sie hat wesentliche Beiträge zur Theorie der rekursiven Funktionen geleistet.
Literatur: Edie Morris, Leon Harkleroad: Rozsa Peter: recursive function theory’s founding mother, Mathematical Intelligencer 1990, Nr. 1, 59–64 (sowie von Rozsa: Mathematics is beautiful). Rekursive Funktionen, Budapest 1951 (englisch Academic Press, 3. Auflage 1967)

Jade Raymond (*1975): kanadische Videospielproduzentin und Spieleentwicklerin.
Literatur: Dean Takahashi: Jade Raymond’s journey to EA, Star Wars games, and a new Montreal studio. In: VentureBeat. 17.August 2015.

Jean E. Sammet (19282017): Chronistin der Programmiersprachenentwicklung, Standardisierung von Programmiersprachen-Systemen.
Zu Ihren Veröffentlichungen zählen: FORmula MAnipulation Compiler (1962); Programming languages: history and fundamentals(1969); History of IBM's Technical Contributions to High Level Programming Languages (1981); Why Ada is Not Just Another Programming Language (1986); The beginning and development of FORMAC (FORmula MAnipulation Compiler) (1993).

Ina Schieferdecker (*1967): Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS (gemeinsam mit Professor Manfred Hauswirth) und Professur an der TU Berlin, Fachgebiet „Quality Engineering of Open Distributed Systems“ am Institut für Telekommunikationssysteme.
Literatur: Integrierende Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für die Stadt der Zukunft / M. Mühlhäuser/J. Encarnação (Hrsg.) ; Autoren: R. Bildmayer, J. Encarnação, M. Mühlhäuser, J. Rix, C. Rudolph, P. Sachsenmeier, I. Schieferdecker.

Ina Wagner (*1946): ist eine österreichische Physikerin, Informatikerin und Soziologin, Universitätsprofessorin für Multidisziplinäres System Design und Leiterin des Instituts für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der Fakultät für Informatik an der TU Wien. Sie war 1987 die erste Professorin, die von außerhalb der TU Wien auf die Fakultät für Informatik berufen wurde und auch die erste, die sich hauptsächlich mit feministischer Forschung, Frauenforschung und Gender Studies im Umfeld von Naturwissenschaft und Technik beschäftigte. Ab 2009 hielt sie außerdem eine aktive Professur an der Universität Oslo. Ihre Forschung konzentrierte sich auf Frauen, Arbeit und Technik sowie Technik im Gesundheitsbereich. Sie arbeitete außerdem an europäischen Projekten in den Bereichen Architektur und Stadtplanung, zuletzt etwa „Integrated Project City“. In den Jahren 1997–2000 war Wagner Mitglied der Ethikgruppe der Europäischen Kommission. Seit 2001 arbeitet sie in der österreichischen Bioethik-Kommission.
Veröffentlichungen: Women in the Automated Office. Contradictory Experiences – Individual and Collective Coping Strategies. In: A. Olerup, L. Schneider, E. Monod (Hrsg.): Women, Work and Computerization. North Holland, Amsterdam 1985, 53–64. Vergessene Frauenarbeitsbereiche. Berufsverläufe, Arbeitsbedingungen, Lebensperspektiven. Mit Ferdinand Lechner, Ulrike Papouschek, Gerald Steinhardt und Angelika Volst, Focus Verlag, Gießen 1991.

Sophie Wilson (*1957): ist eine britische Informatikerin und Computer-Architektin. Sie ist bekannt für ihre Beteiligung an der Entwicklung des BBC Micro und ARM-RISC-Prozessors bei Acorn in den 1980er-Jahren,  zu finden in den meisten Smartphones.

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