Bedeutende Frauen im Maschinenbau

Neben der allgemeinen Fachgeschichte können in der Lehre wichtige handelnde Personen hinter technischen Entwicklungen sichtbar gemacht und die historischen Kontexte erläutert werden. Damit erfahren Studierende von Anfang an, dass Technik von unterschiedlichen Menschen zu verschiedenen Zeiten entwickelt wurde, dass es Mehrheits- und Minderheitsannahmen gab und gibt, dass Fehler und Kontroversen auch im Maschinenbau eine wesentliche Rolle bei Erkenntnisprozessen spielen. So bieten beispielsweise mathematische und physikalische Gleichungen und Formeln, die als Grundlagen auch der Ingenieurwissenschaften vor allem in den ersten Semestern des Studiums gelehrt werden, einen guten Ansatzpunkt, die dahinterstehenden Menschen vorzustellen und ihre historischen Kontexte zu erläutern oder mit den Studierenden zu erarbeiten.

Um die fachliche Lehre für alle Geschlechter ansprechend zu gestalten, sollten Studierende dabei allerdings nicht nur männliche Vorreiter vermittelt bekommen, sondern auch weibliche Rollenvorbilder und ihre Lebensentwürfe kennenlernen, die in entscheidender Weise zu der Entwicklung des Faches beigetragen haben und die Bedeutung auch von Frauen in der jeweiligen Disziplin deutlich und erkennbar machen. So bekommen auch Studentinnen die Möglichkeit einer direkten Identifikation mit den Personen in der eigenen Wissenschaft.

Dies kann über historische Vorbilder geschehen, in dem Maschinenbauerinnen aus anderen Epochen mit ihren Erfindungen vorgestellt werden. Gleichzeitig ist es jedoch auch wichtig, weibliche Vorbilder der heutigen Zeit darzustellen, die in diesem Feld tätig sind und es prägen. Im Idealfall sollten solche Rollenvorbilder der Gegenwart und der Geschichte gewählt werden, die einen Bezug zu aktuellen Themen der Studierenden haben.

Cäcilie Bertha Benz, geb. Ringer (1849–1944), Deutschland, Autopionierin

Bertha Benz im Alter von 18 Jahren
(Quelle: Von Unbekannt - Daimler.com, Gemeinfrei)
Bertha Benz im Alter von 18 Jahren

Ein gutes Beispiel dafür, dass der Anteil von Frauen an technischen Entwicklungen oft nicht adäquat gewürdigt wird, stellt das Ehepaar Carl und Bertha Benz dar. Während Carl Benz immer wieder als der bekannte Mythos des Maschinenbaus dargestellt wird, wird der kongeniale Anteil von Bertha Benz oft nicht einmal erwähnt. Diese hat ihr Interesse für technische Zusammenhänge nie verhehlt und schuf durch ihren unternehmerischen, technischen und finanziellen Einsatz die Voraussetzungen für die Erfindung des Benz-Patent-Motorwagens. Mit ihrer legendären Pioniertat einer Langstrecken-Probefahrt des ersten Kraftwagens von Mannheim nach Pforzheim im Jahr 1888, die Bertha Benz ohne Wissen ihres Mannes antrat, und bei der sie mehrfach eigenhändig Pannen beheben musste, hat sie die Eignung des neuen Verkehrsmittels bewiesen und entscheidend zur Erfolgsgeschichte des Automobils beigetragen.

Weiteres Material:

  • Cäcilie Bertha Benz's Biografie auf fembio.org
  • Elis, Angela (2010): Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr. Hamburg.
  • Leisner, Barbara (2011): Bertha Benz – Eine starke Frau am Steuer des ersten Automobils. Gernsbach.


(Quelle: Von Unbekannt - Daimler.com, Gemeinfrei)
Bertha und Carl Benz, ihre Tochter Klara und Fritz Held in einem Benz Victoria während einer Fahrt Nähe Schriesheim 1894

Beulah Louise Henry (1887–1973), USA, Erfinderin


(Quelle: Harris & Ewing - Library of Congress, Gemeinfrei)
Beulah Louise Henry 1927 mit ihrer selbstentwickelten wasserfesten Puppe

In den 1920-er und 1930-er Jahren in den USA machte Beulah Louise Henry zahlreiche Erfindungen (eine spezielle Nähmaschine, eine Eiskrem-Maschine, verschiedene Puppen, eine Schreibmaschine), deren Vermarktung ein großer finanzieller Erfolg wurde. Im Gegensatz zu den meisten Frauen ihrer Zeit erlangte sie für ihre über 100 Erfindungen Bekanntheit und Anerkennung; sie brachten ihr den Spitznamen „Lady Edison“ ein. Insgesamt erhielt sie 49 Patente; zahlreiche weitere ihrer Werke wurden im Namen Auftrag gebender Firmen patentiert. 2006 wurde sie in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.

Weiteres Material:

Ilse Essers, geb. Kober (1898–1994), Deutschland, Flugzeugkonstrukteurin, Autobiografin und Biografin


(Quelle: von Familie Essers, Peter F. Selinger [CC BY-SA 3.0])
Portrait von Ilse Esser aus dem Jahre 1941

Als Ingenieurin hat Ilse Essers durch ihre Erkenntnisse und Erfindungen wesentliche Grundlagen im Bereich der Luftfahrttechnik, der Baukonstruktion und dem Maschinenbau geschaffen.

1926, nachdem sie in Aachen das Diplom als „Ingenieur“ zugesprochen bekam, zog sie nach Berlin, um dort in der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) als Assistentin der Abteilung Aerodynamik zu arbeiten. Sie entdeckte den Massenausgleich an beweglichen Flügelklappen und Flügelrudern zur Verhinderung von angefachten Flügelschwingungen und erhielt dafür 1929, als erste Frau in der dortigen Fakultät Maschinenwesen, von der TH Berlin den Doktortitel. In ihrem Buch „Technik an meinem Lebensweg – Als Frau und Ingenieur in der Frühzeit der Luftfahrttechnik“ erzählt Ilse Essers von Begegnungen in ihrem Leben mit der Technik und über die mit ihrem Leben verknüpfte Technikgeschichte.
                                                                                                     


(Quelle: Deutsche Nationalbibliothek, Gemeinfrei)
Buch-Cover der 2004 erschienenen Autobiographie Ilse Essers'

Ilse Essers Erkenntnisse und Erfindungen sind heute selbstverständliches Basiswissen für Ingenieur_innen im Maschinenbau, der Baukonstruktion und der Luftfahrttechnik in aller Welt. In Gedenken an Ilse Essers und ihre Leistungen wurde im Jahr 2004 von der Zeppelin-Stiftung der Dr.-Ilse-Essers-Preis ins Leben gerufen.

Weiteres Material:

  • Ilse Essers Biografie auf fembio.org
  • Selinger, Peter F. (Hg.) (2004): Technik an meinem Lebensweg. Als Frau und Ingenieur in der Frühzeit der Luftfahrttechnik. Zweite, erweiterte und überarbeitete Auflage, Graz.

Ilse ter Meer, verheiratete Knott-ter Mer (1899–1996), Deutschland, Maschinenbau-Ingenieurin, erstes weibliches Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure und Wegbereiterin für Frauen im Maschinenbau


(Quelle: Von Unbekannt, maschinenbau.uni-hannover.de)
Portrait von Ilse Knott-ter Mer, Jahr der Aufnahme unbekannt

Nachdem Preußen 1908 Frauen das Recht einräumte, ein Studium aufzunehmen, studierte Ilse ter Meer als eine der ersten Frauen von 1919-1922 Maschinenbau an der Technischen Hochschule Hannover. Als sie damals den Studiensaal betrat, sah sie sich als einzige Frau unter 1.000 Studenten, von denen mindestens die Hälfte gegen das Frauenstudium eingestellt war. Zur damaligen Zeit konnten die männlichen Studierenden mit einer Frau im Hörsaal wenig anfangen und machten ihrem Unmut durch Stampfen und Pfeifen Luft. Es gab aber auch Kommilitonen, die ihre Mitstudentin gegen verbale Attacken in Schutz nahmen (vgl. hier).

1925 wurde Ilse ter Meer erstes weibliches Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ab 1929 gehörte sie der englischen „Women Engineers' Society“ an. Aus Anlass der Weltkraftkonferenz 1930 in Berlin organisierte sie das erste Treffen deutscher Ingenieurinnen. In der Folgezeit arbeitete sie bei der Firma Siemens & Halske in Berlin, die im Zweiten Weltkrieg stark an der Rüstungsproduktion beteiligt war, und zwar unter Einbeziehung von Zwangsarbeiter_innen und Insassinnen des Frauen-KZ Ravensbrück.

Ab 1956 gehörte Ilse ter Meer dem Beirat der VDI-Fachgruppe Haustechnik an und leitete das Büro der Generalvertretung eines amerikanischen Elektrogeräteherstellers. 1960 war sie eine der sechs Gründerinnen des VDI-Ausschusses „Frauen im Ingenieurberuf“. 1964 beteiligte sie sich als Vertreterin der Bundesrepublik an der ersten Internationalen Konferenz von Ingenieurinnen in New York. Beim VDI hielt sie Vorträge über Haushaltstechnik und arbeitete im REFA-Ausschuss Hauswirtschaft mit.

Weiteres Material unter:

Mary Anderson (1866–1953), USA, Erfinderin


(Quelle: Von Unbekannt - historico.oepm.es, Gemeinfrei)
Portrait von Mary Anderson aus dem Jahre 1910

1903 erhielt sie das Patent auf die erste funktionierende Scheibenwischanlage der Welt

Weiteres Material unter:

Helen Augusta Blanchard (1840–1922), USA, Erfinderin


(Quelle: Von Unbekannt, aus American Women: Fifteen Hundred Biographies with over 1,400 Portraits, Gemeinfrei)
Portrait von Helen Augusta Blanchard aus dem Jahre 1897

Sie erhielt zwischen 1873 und 1915 zahlreiche Patente, u.a. auf eine Nähmaschine mit Zickzack-Naht.

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Josephine Cochrane (1839–1913), USA, Erfinderin


(Quelle: Von Unbekannt, dev.colorcubic.com, Gemeinfrei )
Josephine Cochrane mit ihrer Geschirrspülmaschine, Jahr der Aufnahme unbekannt

Sie gilt als Erfinderin der ersten brauchbaren Geschirrspülmaschine (1896).

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Olive Dennis (1885–1957), USA, Ingenieurin und Erfinderin


(Quelle: Goucher College, Goucher College digital library, Gemeinfrei)
Portrait von Olive Dennis als Studentin des Jahrgangs 1908 des Goucher Colleges

Sie war Eisenbahningenieurin bei der Baltimore and Ohio Railway. Zahlreiche Innovationen des amerikanischen Eisenbahnwesens im 20. Jahrhundert gehen auf sie zurück, wobei sie insbesondere deren Komfort verbesserte. Sie war die erste Frau, die Mitglied der American Railway Engineering Association wurde.

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Caroline Eichler (1808/09–1843, ermordet), Deutschland, Feinmechanikerin und Konstrukteurin


(Quelle: Johann Georg Weinhold, verlegt bei Ernst Arnold in Dresden, Gemeinfrei)
Portrait von Caroline Eichler aus dem Jahre 1838

Sie war die Erfinderin der ersten brauchbaren modernen Handprothese und ließ 1832 ihre Erfindung einer Beinprothese mit Kniegelenk in Preußen patentieren.

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Sarah Guppy (1770–1852), Großbritannien, Erfinderin

Sie erfand eine bessere Verankerung (Pfahl-Verankerung) für Hängebrücken, die sie sich 1811 patentieren ließ (als erstes von 10 Patenten).

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Elisabeth Steinheil, verheiratete Franz (1893–1955), Deutschland, Maschinenbau-Ingenieurin

Als Absolventin der TU München war sie 1917 die erste deutsche Diplom-Ingenieurin im Maschinenbau. Maßgeblich angeregt dazu wurde sie durch die Mitarbeit im Konstruktionsbüro ihres Vaters. Dieser, Dr. Rudolf Steinheil, war Inhaber der „Optisch-Astronomischen Werkstätte“ in München, und stellte 1918 euphorisch fest: „Wenn heut’ zu Tage jemand keinen Sohn hat, aber eine Tochter und einen Beruf, in dem er Hilfe und einen Nachfolger braucht, dann lässt er einfach seine Tochter das Notwendige lernen und alles ist gewonnen“ (vgl. hier; S.14).

Marie Christine von Urach (1933–1990), Deutschland, Maschinenbau-Ingenieurin

Sie war eine der ersten Ingenieurinnen und weiblichen Führungskräfte bei Daimler-Benz. 1978 war sie das erste weibliche Mitglied des Aufsichtsrates der Daimler-Benz AG als Vertreterin der leitenden Angestellten.

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