Vortragsreihe

‚Zum Verhältnis rassistischer und sexistischer Ausschließungsideologien und -praxen. Handlungsanforderungen für Forschung, Praxis und Lehre der Sozialen Arbeit‘

Die Vortragsreihe findet seit WS 2016/2017 an der Evangelischen Hochschule Darmstadt und neuerdings auch an der Hochschule Darmstadt statt. Sie wird von Yvonne Haffner, Alexandra Rau, Kerstin Rathgeb und Elke Schimpf organisiert und findet in Kooperation mit dem gFFZ statt.  

Männlichkeiten im Kontext von Migration: von gesellschaftlichen Beunruhigungen, gefahrvollen Männlichkeiten und Gewaltproduktionen

15.05.2018, 17.00 Uhr, Hochschule Darmstadt, Fachbereich S, Adelungsstraße 51, Gebäude E10, Raum 2

Vortrag von Prof. Dr. Susanne Spindler

Kolonial-hegemoniale Bilder über geflüchtete Männer erfahren besonders seit Silvester 2015/16 eine Reaktualisierung – als „anders“ bezeichnete Männlichkeiten stehen in der gesellschaftlichen Debatte (mal wieder) im Fokus, werden als beunruhigend und gewaltvoll problematisiert und Mittel zur Einhegung dieser Gewalt werden diskutiert. Die Verfestigung vermeintlich starrer kulturell-religiöser Differenzstereotype können mit Hilfe der aktuellen Geschlechter- und Migrationsforschung als rassistische Befremdungsstrategien analysiert werden. Männlichkeit in Zusammenhang mit Herkunft und/oder Hautfarbe wird zu einer Hauptlinie der Differenzsetzung.

Im Vortrag möchte Susanne Spindler die Analyse aus einer weiteren Perspektive ansetzen, denn die Debatte hat Folgen und Nebenwirkungen. Als direkte Folge legitimieren die Diskurse verschärfte Migrationspolitiken – die Antwort auf die Frage, wie Gewalt „der anderen Männer“ zu begegnen sei, wird meist in Form der Migrationsabwehr und Abschiebung diskutiert. Durch die Fokussierung auf „den gewalttätigen anderen Mann“geraten zudem andere Gewaltverhältnisse aus dem Blickfeld, werden entnannt oder zum Verschwinden gebracht. Richten wir die Aufmerksamkeit darauf, dann zeigen sich andere Arten der Beunruhigung und Befremdung, die entstehen: Die Stärkung nationalistischer Tendenzen, die Verbannung von Differenzen sowie Gewaltverhältnisse, die sich auf migrantische Lebenswelten richten.

Spätmoderne Inklusions-Exklusionsdynamiken: Implikationen für die Soziale Arbeit.

12.6.2017, 17:30-19:00 Uhr, EH Darmstadt, VI, 1

Vortrag von Prof. Dr. Karin Amos (Eberhardt-Karls Universität Tübingen)
Die aktuellen gesellschaftlichen Dynamiken sind gekennzeichnet durch die Prävalenz des wissenschaftlichen Paradigmas, durch die Wiederer-starkung nationalistischer Tendenzen und nationaler Schließungen bei gleichzeitig irreversiblen internationalen Verflechtungen. Der Beitrag lotet die übergreifenden Tendenzen mit Blick auf neue Praktiken und Semantik des Ein-und Ausschlusses und diskutiert Konsequenzen für die Soziale Arbeit.

Legitimationsmuster von Schließungs- und Kanalisierungsprozessen gegenüber kopftuchtragenden Muslima als Fachkräften in der Sozialen Arbeit

08.05. 2017, 17:15 -18:30 Uhr, EH Darmstadt, VE 1

Vortrag von Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler (Hochschule RheinMain, FB Sozialwesen)
Ausgehend von den empirischen Befunden des Forschungsprojekts „Nur ein Quadratmeter Stoff? Kopftuchtragende Muslima als Fachkräfte in der Sozialen Arbeit“ möchte der Vortrag ausleuchten, welche Faktoren in Einrichtungen der Sozialen Dienste der Einlö-sung des normativen Handlungshorizonts der Antidiskriminierung sowie der professions-politischen Forderung einer personellen Pluralisierung der Sozialen Arbeit im Sinne von Gender und Diversity im Wege stehen und welche Faktoren diese Forderungen und Selbstverpflichtungen befördern können. Aus einer intersektionalen Perspektive gelangen hierbei die Differenzen, Hierarchien und das Machtgefälle zwischen Frauen als Angehörige der Mehrheitsgesellschaft und jener von (zugewanderten) Minderheiten in einem von Frauen dominierten und in der öffentlichen Wahrnehmung weiblich konnotierten Berufsfeld in den analytischen Blick, d.h. Herrschaftsverhältnisse innerhalb der weibliche Genusgruppe, die im Kontext gegenwärtiger Islamfeindlichkeit und in Bezug auf feministische Werte und Ziele aus der Wahrnehmung der in die Studie einbezogenen Fachkräfte verdeckt gehalten werden.

Fremd machen – sexualisierende Migrationsfeindlichkeit  und Perspektiven für die Durchsetzung von Gegenstimmen

19.01.2017, 16:00 Uhr, VE 1, Evangelische Hochschule Darmstadt

Vortrag von Astrid Messerschmidt
(Bergische Universität Wuppertal)
Für die Abwehr von Migration werden in Westeuropa bevorzugt antimuslimische Diffamierungen eingesetzt, die muslimische Frauen und Männer in je spezifischer Weise fremd machen und als bedrohlich markieren. Die Angst vor der Dominanz derer, die bisher eine sozial deklassierte Minderheit in den meisten europäischen Ländern gewesen sind, motiviert auch den sexistischen antimuslimischen Rassismus. Niqab, Hijab und Burka sind zu konkreten Symbolen für diffuse Bedrohungsängste geworden. Die weiblichen Bekleidungsformen geben den Stoff für den Kampf um eine heimatliche nationale Identität ab, die vor den Zumutungen der Globalisierung schützen soll. Es handelt sich um eine regressive Form der Selbstvergewisserung, die nationale Gemeinschaftssehnsüchte bedient.  Sexismus und Rassismus gehen ein Bündnis ein, dem dringend ein Gegenbündnis feministischer Rassismuskritik entge-genzusetzen ist. Der Beitrag skizziert die Intersektionalitäten von Sexismus und Rassismus im Kontext aktueller migrationsfeindlicher Proklamationen und stellt Ansatzpunkte für eine rassismuskritische Reflexivität zur Diskussion.

"Diskursive Schauplätze Sexualität und Geschlecht - Zur Sorge um das 'unschuldige Kind'"

10.01.2018, von 12:30 bis 14:00 Uhr, Evangelische Hochschule Darmstadt, VI, 1

Vortrag von Prof. Dr. Elisabeth Tuider.
Auf Basis einer Diskursanalyse wird im Vortrag gezeigt, wie die Figur des "unschuldigen, reinen Kindes" in den aktuellen Verhandlungen der Themen Sexualität und Geschlecht hervorgebracht und re-normiert wird. Diese Figur ist bildungshistorischen Analysen bekannt und eine immer wiederkehrende im Feld der Sozialen Arbeit. Die "Sexualpädagogik der Vielfalt" diente in letzten Jahren verschiedenen (rechtspopulistischen) Netzwerken, der Politik und den Medien als Einfallstor und Schauplatz der Re-Normierungen von Familie, Verwandtschaft, Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität. Im Vortrag wird gezeigt, mittels welcher diskursiver Strategien und Verkettungen hierbei gearbeitet wird.