Vortragsreihe

‚Zum Verhältnis rassistischer und sexistischer Ausschließungsideologien und -praxen. Handlungsanforderungen für Forschung, Praxis und Lehre der Sozialen Arbeit‘

Im WS 2016/2017, SoSe 2017 und dem WS 2017/2018 findet an der Evangelischen Hochschule die Vortragsreihe ‚Zum Verhältnis rassistischer und sexistischer Ausschließungsideologien und -praxen. Handlungsanforderungen für Forschung, Praxis und Lehre der Sozialen Arbeit‘ statt, die von Alexandra Rau, Kerstin Rathgeb und Elke Schimpf organisiert wird.
Die Vortragsreihe findet in Kooperation der evangelischen Hochschule Darmstadt und dem Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen statt. Sie umfasst vier Vorträge.

Fremd machen – sexualisierende Migrationsfeindlichkeit  und Perspektiven für die Durchsetzung von Gegenstimmen

19.01.2017, 16:00 Uhr, VE 1, Evangelische Hochschule Darmstadt

Vortrag von Astrid Messerschmidt
(Bergische Universität Wuppertal)
Für die Abwehr von Migration werden in Westeuropa bevorzugt antimuslimische Diffamierungen eingesetzt, die muslimische Frauen und Männer in je spezifischer Weise fremd machen und als bedrohlich markieren. Die Angst vor der Dominanz derer, die bisher eine sozial deklassierte Minderheit in den meisten europäischen Ländern gewesen sind, motiviert auch den sexistischen antimuslimischen Rassismus. Niqab, Hijab und Burka sind zu konkreten Symbolen für diffuse Bedrohungsängste geworden. Die weiblichen Bekleidungsformen geben den Stoff für den Kampf um eine heimatliche nationale Identität ab, die vor den Zumutungen der Globalisierung schützen soll. Es handelt sich um eine regressive Form der Selbstvergewisserung, die nationale Gemeinschaftssehnsüchte bedient.  Sexismus und Rassismus gehen ein Bündnis ein, dem dringend ein Gegenbündnis feministischer Rassismuskritik entge-genzusetzen ist. Der Beitrag skizziert die Intersektionalitäten von Sexismus und Rassismus im Kontext aktueller migrationsfeindlicher Proklamationen und stellt Ansatzpunkte für eine rassismuskritische Reflexivität zur Diskussion.

Legitimationsmuster von Schließungs- und Kanalisierungsprozessen gegenüber kopftuchtragenden Muslima als Fachkräften in der Sozialen Arbeit

08.05. 2017, 17:15 -18:30 Uhr, EH Darmstadt, VE 1

Vortrag von Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler (Hochschule RheinMain, FB Sozialwesen)
Ausgehend von den empirischen Befunden des Forschungsprojekts „Nur ein Quadratmeter Stoff? Kopftuchtragende Muslima als Fachkräfte in der Sozialen Arbeit“ möchte der Vortrag ausleuchten, welche Faktoren in Einrichtungen der Sozialen Dienste der Einlö-sung des normativen Handlungshorizonts der Antidiskriminierung sowie der professions-politischen Forderung einer personellen Pluralisierung der Sozialen Arbeit im Sinne von Gender und Diversity im Wege stehen und welche Faktoren diese Forderungen und Selbstverpflichtungen befördern können. Aus einer intersektionalen Perspektive gelangen hierbei die Differenzen, Hierarchien und das Machtgefälle zwischen Frauen als Angehörige der Mehrheitsgesellschaft und jener von (zugewanderten) Minderheiten in einem von Frauen dominierten und in der öffentlichen Wahrnehmung weiblich konnotierten Berufsfeld in den analytischen Blick, d.h. Herrschaftsverhältnisse innerhalb der weibliche Genusgruppe, die im Kontext gegenwärtiger Islamfeindlichkeit und in Bezug auf feministische Werte und Ziele aus der Wahrnehmung der in die Studie einbezogenen Fachkräfte verdeckt gehalten werden.

Spätmoderne Inklusions-Exklusionsdynamiken: Implikationen für die Soziale Arbeit.

12.6.2017, 17:30-19:00 Uhr, EH Darmstadt, VI, 1

Vortrag von Prof. Dr. Karin Amos (Eberhardt-Karls Universität Tübingen)
Die aktuellen gesellschaftlichen Dynamiken sind gekennzeichnet durch die Prävalenz des wissenschaftlichen Paradigmas, durch die Wiederer-starkung nationalistischer Tendenzen und nationaler Schließungen bei gleichzeitig irreversiblen internationalen Verflechtungen. Der Beitrag lotet die übergreifenden Tendenzen mit Blick auf neue Praktiken und Semantik des Ein-und Ausschlusses und diskutiert Konsequenzen für die Soziale Arbeit.

Vorankündigung: "Diskursive Schauplätze Sexualität und Geschlecht - Zur Sorge um das 'unschuldige Kind'"

10.01.2018, von 12:30 bis 14:00 Uhr, Evangelische Hochschule Darmstadt, VI, 1

Vortrag von Prof. Dr. Elisabeth Tuider.
Auf Basis einer Diskursanalyse wird im Vortrag gezeigt, wie die Figur des "unschuldigen, reinen Kindes" in den aktuellen Verhandlungen der Themen Sexualität und Geschlecht hervorgebracht und re-normiert wird. Diese Figur ist bildungshistorischen Analysen bekannt und eine immer wiederkehrende im Feld der Sozialen Arbeit. Die "Sexualpädagogik der Vielfalt" diente in letzten Jahren verschiedenen (rechtspopulistischen) Netzwerken, der Politik und den Medien als Einfallstor und Schauplatz der Re-Normierungen von Familie, Verwandtschaft, Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität. Im Vortrag wird gezeigt, mittels welcher diskursiver Strategien und Verkettungen hierbei gearbeitet wird.