Recht der Frau - Frauenrechte/ Legal Gender Studies - Women's Rights

Fachtag für Studierende, Praktikant*innen und Fachkräfte, 08.11.2016
Frankfurt University of Applied Sciences, Gebäude 2,
Raum siehe im Programm, 10:00-18:00

Zum Ablauf:
Nach der Eröffnung des Fachtages und dem Auftaktvortrag von Sibylla Flügge, gliedert sich der Fachtag in drei Programmpunkte. Vormittags finden verschiedene Workshops statt, in denen sich die Teilnehmenden mit Fallstudien zu aktuellen Themen beschäftigen. Nachmittags folgt – im Rahmen der Internationalen Woche – das International Programm, bei dem eine Filmpräsentation sowie eine Podiumsdiskussion geplant sind. Der Fachtag endet mit den Verabschiedungsvorträge für Sibylla Flügge. Daran schließt sich noch ein kleines Abendprogramm an. 

Organisation des Fachtages: Dagmar Oberlies, Frankfurt-UAS


Programm des Fachtags

 

Eröffnung und Auftakt (Gebäude 2, Raum 174)

10:00-10:15
Eröffnung des Fachtags
Gero Lipsmeier, Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit, Frankfurt-UAS


10:15-10:45
Feministische Rechtspolitik – eine Erfolgsgeschichte?
Referentin: Sibylla Flügge, Frankfurt-UAS


10:45-11:00
Kaffeepause


Workshops

11:00-13:30
Workshops: Recht der Frau in der Ausbildung von Sozialen Fachkräften
In den Workshops sollen mit den Studierenden aktuelle Fallstudien diskutiert werden, die das ‚Recht der Frau‘ anschaulich und die Relevanz für das Studium der Sozialen Arbeit erfahrbar machen.

Workshop 1 "Antidiskriminierungsrecht" (Gebäude 2, Raum 10)

Leitung: Sarah Elsuni, FRA-UAS

Der Workshop "Antidiskriminierungsrecht" befasst sich mit der sog. Kopftuch-Debatte und kontextualisiert das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Gründen vor dem Hintergrund rechtlicher, insbesondere antidiskriminierungsrechtlicher Regelungen. Ziel des Workshops ist, den Teilnehmenden Wissen über den komplexen Regelungsrahmen zu vermitteln, den das geltende Recht in Hinblick auf das Tragen des Kopftuches sowie auf mögliche Konfliktfälle vorgibt. Besprochen werden insbesondere die Themen: "Mehrdimensionale Diskriminierung" (da von Verboten des Tragens religiöser Symbole vor allem Frauen betroffen sind), das Verhältnis von Freiheit (Religions-, Berufs-, Handlungsfreiheiten...) und Gleichheit (Gleichstellung, Antidiskriminierung, ...) sowie Möglichkeiten und Grenzen von (Re-)Aktion privater (z.B. Arbeitgebende) sowie staatlicher Akteure (z.B. Hochschulen, öffentlicher Dienst).  Gleichzeitig thematisiert wird dadurch die Rolle, die Aufgaben und die Grenzen von Recht in der Regelung gesellschaftlicher und politischer Fragen.

Sarah Elsuni wurde zum Wintersemester 2016/17 als Nachfolgerin von Sibylla Flügge auf eine Professur an der Frankfurt University of Applied Sciences mit der Denomination ‚Recht der Frau‘ berufen. Davor hat sie den Lehrstuhl von Susanne Baer ‚Öffentliches Recht und Geschlechterstudien‘ an der Humboldt Universität, Berlin, vertreten. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Recht und Verdatung, Grund- und Menschenrechte im Mehrebenensystem, Legal Gender Studies und Theory, Rechtspolitik und Prozesse der Rechtserzeugung sowie Antidiskriminierungsrecht.

Workshop 2 "Rechte von Frauen mit Behinderungen" (Gebäude 2, Raum 120/121)

Leitung: Theresia Degener, Ev.Hochschule RWL

Grundlage der Fallanalyse ist eine Entscheidung des OLG Karlsruhe aus dem Jahr 2008: Einer gesetzlich betreuten Frau war gegen ihren Willen eine Depotspritze zur Verhütung der Schwangerschaft verabreicht worden. Im Workshop werden die gesetzlichen Grundlagen, insbesondere § 1906 BGB und  Art.12/17 UN–BRK & Allgemeine Bemerkung No. 1 zu Art.12 dargestellt und vergleichen. Darüber hinaus sollen Alternativen zum Zwang sowie die Genderaspekte bei (med.) Zwangs¬behandlung diskutiert werden.

Vorbereitende Lesehinweise:    
OLG Karlsruhe, Beschluss vom 7.2.2008, 19 Wx 44/07, Download.
Degener / Diehl (2015): Handbuch Behindertenrechtskonvention, Download, darin: Degener, S. 55 ff und Jahne S. 248 ff.

Theresia Degener ist Professorin für Recht und Disability Studies und Leiterin des Bochumer Zentrums für Disability Studies (BODYS) an der Ev. Hochschule RWL. Sie ist außerdem Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Sie lehrt und forscht im In-und Ausland zu Behindertenrecht, internationalen Menschenrechten und Antidiskriminierungsrecht.

Workshop 3 "Familienrecht" (Gebäude 2, Raum 321/322)

Leitung: Carola Berneiser, FRA-UAS

Der Workshop widmet sich der Situation von Frauen in „nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften". Nachdem Ehe und Lebenspartnerschaft gleichgestellt sind, sind sie die neuen ‚Ungleichen‘ – rechtlich weniger geschützt und, vor allem bei der Betreuung von Kindern und im Trennungsfall, größeren Risiken ausgesetzt. Diskutiert werden die aktuellen gesetzlichen Vorgaben und Reformbestrebungen, auch im Vergleich mit dem (europäischen) Ausland. Gearbeitet werden soll mit kurzen Inputs, Kleingruppen und Visualisierungen der Ergebnisse. Ein Schwerpunkt liegt auf der gemeinsamen Erarbeitung von Materialien für die Praxissituation.  

Vorbereitende Lesehinweise:
u.a. Wellenhofer, Gesetzlicher Unterhaltsanspruch für nichteheliche Lebensgemeinschaften?, in: FamRZ 2015, 973 ff. sowie den Lehrbüchern des Aufbaumoduls: Familien- und Jugendhilferecht (M 8.1.)

Carola Berneiser lehrt hauptamtlich am Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit mit einem Schwer-punkt im Bereich des Familien-, Kinder- und Jugendhilferechts, des familiengerichtlichen Verfahrens und des Kinderschutzes. Daneben ist sie als Rechtsanwältin und Mediatorin tätig. Sie ist Vorstandsmitglied der Pro Familia Ortsverband Frankfurt am Main und Delegierte des Landesverbandes Hessen und engagiert sich für den Kinderschutz.

Workshop 4 "Sozialrecht (SGB II - Existenzsicherung)" (Gebäude 2, Raum 17/18)

Leitung: Susanne Dern, Hochschule Fulda

Das besondere Armutsrisiko von alleinerziehenden Frauen – und ihren Kindern – scheint inzwischen hinreichend nachgewiesen. Der Workshop befasst sich deshalb – aus sozialrechtlicher Sicht – mit der Existenzsicherung von Alleinerziehenden und ihren Kindern. Behandelt wird die Frage, welche Auswirkungen verschiedene Umgangs- und Sorgemodelle sowie häufige Umgangskontakte zum anderen Elternteil auf die Sozialleistungsansprüche von Familien mit getrenntlebenden Elternteilen haben. Diskutiert werden soll auch, welche rechtspolitischen Forderungen aus der aktuellen Debatte um eine Reform des SGB II sinnvoll sind und wie man getrenntlebende Familien aktuell gut beraten kann. Bei Interesse können im Workshop Praxismaterialien (Eckpunktepapiere, Checklisten) erarbeitet werden.

Vorbereitende Lesehinweise:
Wenn ärmere Kinder nur zeitweise bei einem Elternteil leben, mit C. Fuchsloch, in: Soziale Sicherheit. 7/ 2015, 261ff.

Susanne Dern ist Professorin am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda, zuvor war sie Anwältin und Sozialrichterin. Ihre Schwerpunkte sind Sozialrecht, insbesondere Existenzsicherungsrecht, und Antidiskriminierungsrecht.

Workshop 5 "Strafrecht und Kriminologie" (Gebäude 2, Raum 171)

Leitung: Dagmar Oberlies, FRA-UAS

Die sog. ‘Frauenkriminalität’ war in den 80er Jahren ein großes Thema – vielleicht auch, weil sich Kriminologinnen für dieses Thema interessiert und es ‚konstruiert’ haben. Im Workshop sollen Theorien über Frauen und ihre Kriminalität betrachtet und mit dem empirischen Wissen über ‚die Kriminalität‘ beider Geschlechter konfrontiert werden. Gegenüber gestellt werden zwei Kriminalitätsbereiche: die Gewalt-kriminalität, genauer: Tötungsdelikte, einerseits und die (gewaltlosen) Eigentums- und Vermögensdelikte, also einfacher Diebstahl und Betrug andererseits.

Vorbereitende Lesehinweise:
Oberlies (1990): Der Versuch, das Ungleiche zu vergleichen. Tötungsdelikte zwischen Männern und Frauen. Download
Oberlies (2013): Strafrecht und Kriminologie für die Soziale Arbeit, Kohlhammer
Leuschner /Oberlies (im Erscheinen): Eigentums- und Vermögensdelikte, Juridicum; Seite xxx

Dagmar Oberlies ist Professorin am Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences. Sie lehrt Recht in transnationalen Kontexten und publiziert vorwiegend im Feld der kriminologischen Genderforschung.


International Programm im Rahmen der Internationalen Woche

14:30-15:45
Movie Screening

Short Cut to Justice (Gebäude 2, Raum 10)

Shortcut to Justice erzählt die Geschichte der „Frauen für Gerechtigkeit“ und der "Nari Adalat" Frauen aus Indien. Weil Polizei und Justiz oft untätig bleiben, häufig korrupt sind, und kaum Schutz und Hilfe geben, haben sie selber Gerichte gegründet. Woche für Woche versammeln sie sich - unter einem Baum, auf einem staubigen Platz - und sprechen selber Recht.Shortcut to Justice erzählt die Geschichte der „Frauen für Gerechtigkeit“ und der "Nari Adalat" Frauen aus Indien. Weil Polizei und Justiz oft untätig bleiben, häufig korrupt sind, und kaum Schutz und Hilfe geben, haben sie selber Gerichte gegründet. Woche für Woche versammeln sie sich - unter einem Baum, auf einem staubigen Platz - und sprechen selber Recht.Shortcut to Justice erzählt die Geschichte der „Frauen für Gerechtigkeit“ und der "Nari Adalat" Frauen aus Indien. Weil Polizei und Justiz oft untätig bleiben, häufig korrupt sind, und kaum Schutz und Hilfe geben, haben sie selber Gerichte gegründet. Woche für Woche versammeln sie sich - unter einem Baum, auf einem staubigen Platz - und sprechen selber Recht.

Toward Intimacy (Gebäude 2, Raum 124/125)

This feature documentary follows a number of women with disabilities as they affirm their right to seek, develop and sustain intimate relationships with the partners of their choice. In this moving one-hour film, four disabled women from across Canada share their personal experiences, with particular emphasis on sexuality, self-esteem, stereotyping, and parenting.

One last cry (Gebäude 2, Raum 21/22)

This documentary aims to highlight the issue of "Comfort Women" or girls forced into sex slavery by the Japanese Army during World War II as grave violation of human rights that affected and continues to affect women all across Asia and Europe. The film begins in South Korea and moves on to meet victims in Wuhan, China, Shanghai, the Philippines and Australia.

The Women and the Generals (Gebäude 2, Raum 161)

The poignant documentary restores the names and faces of the victims of the Suharto dictatorship (Indonesia). The film traces the events of 1965 in the context of post-colonialism and Cold War. Interviews with historians and human rights activists, as well as historic film clips complement the personal experiences of the former political prisoners.


15:45-16:00
Coffee Break (Gebäude 2, Raum 174)


16:00-17:30
Feminist Ideas of Justice (Gebäude 2, Raum 174)
The panel will discuss the international human rights framework and mechanisms, and women’s courts as instruments to support universal rights for women.
Panellists:

Theresia Degener

Theresia Degener is Professor of Law and Disability Studies and Director of the Bochum Centre for Disability Studies (BODYS) at the Bochum University of Applied Sciences. She is also Vice-Chairperson of the UN Committee on the rights of persons with disabilities. Her field of research and teaching are the rights of persons with disabilities, international human rights and antidiscrimination.
Theresia Degener in her own words.

Corinne Kumar

Corinne Kumar was Secretary General of El Taller International, an international NGO committed to international women’s human rights, sustainable development, and both North-South and South-South exchange and dialogue across diverse cultures and civilizations. She was formerly Director of the Centre for Development Studies (CIEDS Collective) in India. She is a founding member of the Asian Women’s Human Rights Council (AWHRC) and of Vimochana, an NGO in Bangalore, India working on issues such as domestic violence, dowryrelated deaths, and workplace sexual harassment. A philosopher, poet, human rights theoretician and activist, she is editor of two human rights journals, Sangarsh and The Quilt, and has written and spoken extensively on refugees, violence against women, militarization, and the dominant human rights discourse, critiquing it from a gender and Global South perspective.
Corinne Kumar in her own words.

Sarah Elsuni

Sarah Elsuni is newly appointed professor of legal gender studies at Frankfurt University of Applied Sciences. From 2011-2016 she held the position of interim professor - Chair of Public Law & Gender Studies at Humboldt University Berlin, before that she served as a legal consultant, Division “Policy & Research Issues”, at the Federal Anti-Discrimination Agency, Berlin, and as legal consultant to develop the special research field of “Transnationalising of Gender-Relations”, Cornelia Goethe Centre, Goethe University Frankfurt am Main. Her PhD was on Gender-based violence and Human Rights – A gender-theoretical Analysis of the Concepts ‚Sex, Equality and Discrimination’ within the Human rights System of the United Nations, Goethe University Frankfurt am Main.


Zum Abschied von Sibylla Flügge

17:30-18:00
(Fast) 40 Jahre feministische Juristinnen
Laudatorin: Ute Sacksofsky

(Über) 40 Jahre Frauenbewegung in Frankfurt
Laudatorin: Ulrike Schmauch


Abendprogramm

ab 18 Uhr gemütlicher Ausklang in der Profitratte