Wir gratulieren ganz herzlich Marlene Blöthner von der Frankfurt University of Applied Sciences zum Erhalt des Henriette-Fürth-Preises 2026!
Der Henriette-Fürth-Preis, der Nachwuchsförderpreis des gFFZ geht in diesem Jahr an Marlene Blöthner von der Frankfurt University of Applied Sciences für ihre MA-Thesis „Väter als Adressaten der Sozialen Arbeit. Rekonstruktion sozialarbeiterischer Deutungsmuster auf Väter, Vaterschaft und Väterlichkeit“.
Die Thesis geht der Frage nach, wie Professionelle der Sozialen Arbeit über Väter als Zielgruppe ihrer Arbeit denken, bzw. sprechen. Welche Vorstellungen von Vaterschaft prägen das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit? Welche Deutungsmuster beeinflussen die Art und Weise, wie Väter adressiert und einbezogen werden? Damit bearbeitet Marlene Blöthner eine eklatante Forschungslücke. Trotz intensiver Geschlechterdebatten in der Sozialen Arbeit ist der fachliche Blick auf Männer allgemein und Väter im Besonderen als Zielgruppe bis heute schwach entwickelt.
Auf der Grundlage von acht Interviews mit Fachkräften der familienorientierten Hilfen gewinnt die Autorin innovative Erkenntnisse zum professionellen Blick auf Väter. Sie macht sichtbar, dass das Sprechen der Professionellen über Väter wenig fachlich ist. Stattdessen ist es getragen von persönlich-biografischen und alltagstheoretischen Plausibilisierungen zum Vatersein. Was die Adressierung von Vätern als Fürsorgeverantwortliche betrifft, zeigt sich in den Interviews Handlungsunsicherheit und die Tendenz zur Marginalisierung. Väter werden als Sekundär-Adressaten mit lediglich einer indirekten Fürsorgepflicht gedacht. Die Urteile zu ihnen schwanken zwischen Kritik und Entschuldigung ihres inadäquaten Handelns. Damit offenbart sich das Feld der familienbezogenen Hilfen als Arena nicht nur relativ konservativer paternaler Geschlechterdiskurse der Fachkräfte, sondern auch wenig anerkennender Bilder zu Vätern.
Marlene Blöthner beweist umfangreiches Wissen in der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung, ein hohes Maß an methodischer Kompetenz bei Datenerhebung und -auswertung und Souveränität bei der Generierung von Erkenntnissen zum Forschungsgegenstand der Väter. Gerade, weil die Befunde ernüchternd, vielleicht auch schmerzhaft für den Geschlechterfachdiskurs in der Sozialen Arbeit sind, liefern sie doch einen lehrreichen und innovativen Impuls zur wünschenswerten Entwicklung einer offensiven Debatte um Väter als Zielgruppe in der Sozialen Arbeit, die bislang noch nicht in Gang gekommen ist.
Nach dem Urteil der Henriette-Fürth-Preis Jury besticht die vorgelegte Abschlussarbeit nicht nur durch ihre hohe wissenschaftliche Qualität, sondern auch durch die Bedeutung der Erkenntnisse für die Initiierung eines überfälligen Diskurses zu Vätern in der Sozialen Arbeit.
Betreut würde die Thesis im Studiengang „Forschung in der Sozialen Arbeit“ von Prof. Dr. Lotte Rose und Prof. Dr. Gudrun Maierhof von der Frankfurt University of Applied Sciences. Das gFFZ zeichnet damit nicht nur die Absolventin aus, sondern würdigt auch die Arbeit der Betreuenden.
Die ausgezeichneten Arbeiten sind ganz im Sinne der Namensgeberin des Preises -
Henriette Fürth, die sich zeit ihres Lebens als Publizistin, Sozialpolitikerin, Frauenrechtlerin und Sozialwissenschaftlerin für soziale Gerechtigkeit stark gemacht hat.