Gender-Toolboxen

 Eine Klassifizierung und Beschreibungen bestehender Gender-Toolboxen.

An verschiedenen Hochschulen wurden Toolboxen entwickelt, die virtuelle Werkzeugkoffer darstellen, die bei der Umsetzung einer gender- und diversitybewussten Lehre helfen. Wir haben einige der bestehenden, kostenfrei im Netz zugänglichen Toolboxen mit informativen Kurztexten versehen und nach Fächern sortiert. Die Toolboxen arbeiten mit vielfältigen Beispielen, die für die eigene Lehre angepasst oder übernommen werden können und geben konkrete Hinweise, z.B. für die genderbewusste und -gerechte Sprachgestaltung, die Nutzung von Bildern sowie die Literatur- und Beispielauswahl. Oft enthalten sie auch Checklisten für Gender- und Diversitykompetenz in Lehre, Forschung und Entwicklung, Glossare und/oder weiterführende und vertiefende Literaturhinweise. Ziel dieser Angebote ist es, Ihnen als Lehrenden zu ermöglichen, Ihre Lehrinhalte auf Genderinhalte hin zu überprüfen und gegebenenfalls zu ergänzen bzw. zu verändern.

Sortiert haben wir chronologisch, nur die englischsprachigen Angebote finden sich am Ende der Zusammenstellung. Die Visualisierungen sind Ausschnitte der jeweiligen Publikation, die hoffentlich Lust auf Mehr machen!

 

FU Berlin:Toolbox Gender und Diversity in der Lehre(Nov 2016 - laufend)

Das Projektversammelt in Form eines Online-Portals Handreichungen und Informationen zu gender- und diversitybewusster Lehre. Ausführlich werden Leitlinien für eine machtkritische Lehre dargelegt. Ein Einstiegsvideo erklärt die Relevanz von gender- und diversitybewusster Lehre (auch auf Englisch verfügbar). Es finden sich fachspezifische Zugänge zu MINT – Fächern allgemein, zu Biologie, Chemie, Informatik und Mathematik. Fächerübergreifend gibt es mögliche Zugänge wie berufsfeldbezogene Fragen von Gender und Diversity, Wissenschaftskritik der Fachdisziplin sowie Anwendung und Nutzung wissenschaftlicher Ergebnisse. Glossare, rechtliche Rahmenbedingungen und Fortbildungsmöglichkeiten finden sich ebenso wie ein Starter-Kit mit Hinweisen für eine gender- und diversitätsbewusste Sprache und Bildnutzungshinweisen.

Hinweis: Zum Ausdrucken oder übersichtlichen Betrachten der gesamten Informationen auf „alles einblenden“ klicken.

 

Thüringer Hochschulen: (GeniaL) Gender und Diversity in Lehre und Forschung(2015)

Hierbei handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Handreichung im PDF-Format mit fachübergreifenden Hinweisen für Lehre und Forschung. Darin enthalten sind Checklisten und einführende Texte. Gender, Diversity und Intersektionalität werden einführend erklärt, Inklusion ebenfalls.

In dieser Handreichung wird nicht binär argumentiert, sondern intersektional und zusätzlich finden sich auch eindeutige Hinweise auf die Notwendigkeit für Gleichstellungsmaßnahmen.

„Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Merkmale innerhalb einer Geschlechterkategorie prinzipiell viel stärker als zwischen den Geschlechtern. Gebildete Geschlechtsgruppen sind nicht homogen. Es gibt vielfältige Geschlechter im Sinne von ‚Queerversity‘. Es darf zu keiner Essenzialisierung oder Naturalisierung von Gender-Diversity im Forschungsprozess kommen.“

Und später:

„Im bestehenden Wissenschafts- und Forschungssystem nehmen Frauen nach wie vor eine marginalisierte, d.h. horizontale wie vertikal segregierte Position ein (Deutscher Bundestag, 2014:17; EU 2015). Unter dem Aspekt von Chancengleichheit und Gleichstellung gilt es, dies zu verändern. Gleichermaßen gilt es, die Rahmenbedingungen von Forschung, ihre personen- und kontextabhängigen Positionen, Perspektiven und Kategorisierungen kritisch zu analysieren und auf mögliche Ausschlüsse und Verzerrungen aufgrund des Geschlechts (Gender-Bias) sowie weiterer sozialer Kategorisierungen hin zu überprüfen.“

Frau Dr. Probstmeyer hat ihre Dissertation zu diesem Projekt geschrieben, darin findet sich auch eine Abbildung der konzipierten Toolbox (S. 132): Probstmeyer, K. (2016). Gendersensibilität von Lehrveranstaltungen des ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudiums: Voraussetzungen, Umsetzung und Evaluation von Vorlesungen an der Technischen Universität Ilmenau (Dissertation). Ilmenau: Universitätsverlag [Volltext].

Bezüglich Sprache wird ein Verweis gemacht auf den Sprachleitfaden des Thüringer Kompetenznetzwerks Gleichstellung

 

Uni Fribourg (Schweiz): Geschlechtergerechte Hochschullehre(2010-2013)

Hier wird einOnline-Tool zur fachübergreifendenSelbstevaluationund Weiterbildung in geschlechtergerechter Hochschullehre zur Verfügung gestellt. Dabei wird ein impliziter und ein expliziter Ansatz unterschieden sowie erklärt und die Lehrenden können z.B. ihre Lehr- und Lernmethoden evaluieren. Die Informationen, die zusätzlich gegeben werden, und auch das dazugehörige Glossar sind ausführlich und empfehlenswert.

Weiterhin enthält die Seite Hinweise zu geschlechtergerechter Sprache, auch für Englisch.

 

Beuth HS für Technik Berlin: Gender Toolbox Broschüre(Juli 2012)

Dies ist eine in sich abgeschlossene Handreichung im PDF-Format (auch als gedruckte Broschüre erhältlich), erstellt von Susanne Ihsen und Antje Ducki, die Genderforschungüber Ingenieurwissenschaft, Genderforschungin den Ingenieurwissenschaften und Genderforschung in der Technik zusammenfasst. Sie enthält auch Informationen zu gendersensibler Lehre (inkl. gendersensibler Sprache). Für die Fächer Elektrotechnik und Informationstechnik, Raumplanung, Stadtplanung und Umweltwissenschaften werden genderorientierte Lehr- und Studienziele sowie Lehrinhalte aufgeführt. In der Broschüre finden sich außerdem Informationen und Anleitungen zu Methoden zur Teambildung im Seminar (für alle Fächer geeignet, nicht fachspezifisch), genderorientierter Projektplanung, genderdifferenzierter Veranstaltungsplanung, Qualitätskriterien der Mediennutzung. Checklisten für Gender-Kompetenz in der Lehre, Forschung und Entwicklung und Diversity Management finden sich darin ebenso wie ein Glossar.

In der Broschüre geht es ausführlich um Frauen in durch Männer geprägten Fachkulturen und diesbezügliche Erkenntnisse:

„Frauen und Männer haben oft unterschiedliche Herangehensweisen an Problemstellungen und steuern unterschiedliche Lösungsansätze und kreative Ideen bei. Außerdem legen beide Gruppen auf unterschiedliche Funktionalitäten besonderes Augenmerk. Das gesamte Curriculum kann davon profitieren, dass Frauen ein verstärktes Interesse an fachübergreifenden, innerfachlich kombinierten und interdisziplinären Ansätzen haben.“

 

Stadt Wien:Leitfäden für gendersensible Didaktik (2003-2005)

Diese von Mitgliedern der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universität Klagenfurt verfassten Leitfäden sind jeweils in sich abgeschlossene Handreichungen im PDF-Format, die unter der Lizenz CC-BY-SA veröffentlicht wurden.

Teil 1 befasst sich mit fachübergreifenden Grundlagen der Gendersensibilität in der Lehre.

Teil 2
zeigt anhand von inhaltlichen Einführungen und anwendungsorientierten Beispielen auf, wie im Lehr- und Lernprozess selbst, in der Interaktion von Lehrenden und Lernenden, Gendersensibilität erhöht werden kann. 

Teil 3skizziert wie sich Gendersensibilität in Organisationen, die Lehre anbieten, verankern lässt. 

Weiterhin enthalten die Leitfäden fachübergreifende Checklisten zu gendergerechtem Sprachgebrauch, zu Gendersensibilität bei der Erstellung von Lehrunterlagen, inklusive Literaturhinweise für Naturwissenschaften und Technik und allgemein zu Gendersensibilität in der Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen. Ausführliche Hinweise zu Gruppenkultur und Gruppenarbeit, Moderation von Konflikten etc.

 

Uni Duisburg-Essen:Genderportal (laufend)

Auf dem Genderportalfinden sich u.a. Informationen und Fächerbeispiele für Gender in der Lehre der natur- und Technikwissenschaften (Informatik, Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Physik).

Hierfür wird auf andere Seiten verlinkt, es finden sich viele Literatur- und Checklistenhinweise, die ein Startpunkt für Ihre Hochschuldidaktik sein können. 

 

EU: GARCIA Gendering the Academy and Research combating Career Instability and Asymmetries(2014-2017)

Aus einer internationalen Untersuchung sind Arbeitspapiere entstanden, die Checklisten zu “How to design gender-sensitive research/curriculum content” zur Verfügung stellen. Sie sind interdisziplinär und intersektional gedacht, fachübergreifend, aber mit konkreten Beispielen. Sie sind besonders interessant, wenn Internationales gefragt ist und Informationen auf Englisch gewünscht sind. 

Toolkit for Integrating Gender-Sensitive Approach into Research and Teaching: Garcia Working Papers 6.

“The GARCIA Project is concerned with the implementation of actions in European Universities and research centres to promote a gender culture and combat gender stereotypes and discriminations. […] Particular attention is given to the early stages of academic and scientific career. The project focuses on both, STEM (Science, Technology, Engineering and Mathematics) and SSH (Social Sciences and Humanities) disciplines to assure that the aim of transforming academia and research towards a more gender equal environment can be extended to all levels of the institution by putting into practice the best systemic organisational approaches. […] The idea of this Toolkit is to help researchers integrate gender dimension in their ongoing research and teaching (of undergraduate, graduate and doctoral courses), and to apply while conceiving new projects and students’ curricula […]."

Gender Dimension in Research and Curriculum: 12 SSH and STEM test institution:Garcia Working Papiers 7

 

InternationalesProjekt Gendered Innovations(Juli 2009 - laufend)

Dies ist eine Zusammenarbeit der Universität Stanford mit der Europäischen Kommission. Auf der Homepage sind u.a. Checklisten für Engineering und anschauliche Beispiele mit Kurzdarstellungen zu finden.

“The goal of the Gendered Innovations project is to provide scientists and engineers with practical methods for sex and gender analysis. To match the global reach of science and technology, methods of sex and gender analysis were developed through international collaborations.”

Auf der Seite zu “Engineering Innovation Processes” findet sich ein Kasten mit Informationen, die deutlich machen, dass eine Homogenisierung nach Geschlecht nicht sinnvoll ist. Darin steht, Frauen und Männer als jeweils homogene Gruppe zu behandeln, vernachlässige die Unterschiede innerhalb der jeweiligen Gruppe. Die Seite ist insgesamt ausgerichtet auf Produktentwicklung:

„Integrating sex and gender into engineering innovation may: Lead to new products, processes, infrastructure, or services. Lead to design that promotes human well-being, including gender equality. Identify new markets and business opportunities. Develop technologies that meet the needs of a complex and diverse user group. Enhance global competitiveness and sustainability.“

Englischsprachig. Teile der Seite sind auch ins Deutsche übersetzt hier zu finden.