Produktentwicklung und Kund*innenorientierung

Die Planung und Herstellung von Technik ebenso wie ihre Anwendung finden im Rahmen gesellschaftlicher und kultureller Verhältnisse statt, in denen um Ressourcen und Machtpositionen sowie Marktanteile verhandelt und gestritten wird. Welche Technik wie, wofür und durch wen genutzt wird und wer davon profitiert, wird von diesen Rahmenbedingungen beeinflusst. Auch dies sind Felder, in denen Gender oder auch Dimensionen sozialer und kultureller Unterschiede wie z.B. Alter, Behinderung, soziale Herkunft etc. relevant sind.

Das sogenannte ‚Gendermarketing‘ ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Käufer*innengruppen getrennt voneinander angesprochen werden. Dabei wird als Kaufanreiz an ihre Geschlechtszugehörigkeit appelliert. Allerdings werden dabei vielfach lediglich Geschlechterstereotype reproduziert (Beispiel: Playmobil oder Lego für Mädchen und für Jungen). Herrschafts- und Machtverhältnisse, gesellschaftliche Ausschlüsse und falsche Zuschreibungen werden damit nicht angetastet, sondern eher verfestigt.

Gender- und Diversityaspekte in der Produktentwicklung oder im Hinblick auf Nutzer*innen von Technik zu berücksichtigen, bedeutet jedoch etwas Anderes. Es bedeutet, Technik für Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten, Kenntnissen und Bedürfnissen dem Zweck entsprechend leicht bedienbar, handhabbar und sicher zu machen. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, die unterschiedlichen Blickwinkel und Lebensumstände verschiedener Ziel- und Nutzer*innengruppen schon in die Technikentwicklung einzubringen, um so bei Produkten, Dienstleistungen sowie in Forschung und Entwicklung ein möglichst hohes Maß an Qualität zu erreichen (so zum Beispiel die Entwicklung von Kurz(K)- und Lang(L)-Größen bei Hosen für unterschiedliche Körpergrößen). Ein Beispiel für die Berücksichtigung der unterschiedlichen Diversitydimensionen ist ein Forschungsprojekt, das sich mit der Infrastruktur eines Flughafens auseinandersetzt und dabei die unterschiedlichen Faktoren herausstellt, die bei der Nutzung eine Rolle spielen. In dem Beispiel geht es speziell um ‚Caregiver‘, also pflegende oder versorgende Personen, die z.B. mit Kindern oder Älteren reisen (vgl. hier).


(Quelle: Stanford University: Gendered Innovations)

Auch das folgende Beispiel zur Barrierefreiheit eines Kopierers zeigt, was bei der Konstruktion von Geräten für unterschiedliche Nutzergruppen zu beachten ist.


(Quelle: Georgia Tech Institute: Accessibility Assistant)

Ein prominentes Beispiel sind kleine, handliche Akkuschrauber, die zuerst von der Firma Bosch unter dem Produktnamen Ixo im Hinblick auf Frauen als Kundinnen entwickelt wurden. Die hohen Verkaufszahlen zeigen, dass es keineswegs nur Frauen sind, die diese Geräte kaufen, sondern viele andere Menschen, die das geringe Gewicht (bei weniger Kraft), den kleineren Griff (für kürzere Hände) und die praktische Handhabung schätzen.