Online-Publikationen

Seit 2011 gibt es die Online-Publikationsreihe des gFFZ. Hier werden Forschungsberichte, Aufsätze und Arbeitstexte von Forscher*innen hessischer Hochschulen, die nicht in den Druck gehen, exklusiv veröffentlicht. Die Reihe verfügt über ISBN-Nummern.
 
Die Texte stehen frei zum Download bereit. Zur weiteren Verwendung beachten Sie das Urheberrecht und die übliche wissenschaftliche Zitierweise.


Fredericke Leuschner / Dagmar Oberlies
unter Mitarbeit von Julia Janke und Naomi Janusckhe:

Eigentums- und Vermögensdelikte. Ein Geschlechtervergleich anhand von Verfahrensakten der Justiz.

Online-Publikation Nr. 08/2017

Die Studie untersucht gewaltlose Eigentums-und Vermögensdelikte. Im Bereich der kriminologischen Forschung wurden bei diesen Delikten die Geschlechterunterschiede bisher wenig erforscht. Ein Blick in die deutsche Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass etwa die Hälfte der Frauen zur Last gelegten Delikte in die Kategorie der Eigentums-und Vermögensdelikten einzuordnen ist; dennoch machen sie nur zwei Drittel aller Beschuldigten in diesen Verfahren aus. Im Rahmen eines vomHessischen Minis-terium für Wissenschaft und Kunst geförderten Forschungsprojektes wurden fast 3.000 Strafverfah-rensakten untersucht, in denen polizeiliche Ermittlungen wegen Diebstahls oderBetrugsaufgenom-men wurden. Diese wurdenunter anderem auf Unterschiede entlang einer Geschlechterlinie unter-sucht. Die vorliegende Studie vollziehtdiese Verfahren von der Anzeige bis zur verfahrensabschlie-ßenden Entscheidung nach. Der Bericht diskutiert die Frage, obsich Unterschiede bei den Lebens-und Tatumständen von weiblichen und männlichen Beschuldigtenerkennen lassen,welche Rolle prekäre Lebenslagen bei der Begehung und Bearbeitung von Tathandlungenspielenund wie Unter-schiede in den Verfahrensstrategien die Chancen im Strafprozess beeinflussen. Die Analyse derVer-fahrensakten ermöglicht soeinen Blick auf die Kommunikation über Recht und Unrecht.



__________________________________________________________________________________________________________

Lena Loge:

Zum Verhältnis von Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik. Das Öffnen der Einbahnstraße.

Online-Publikation Nr. 07/2016

Geschlechterforscher*innen und Praktizierende in der Gleichstellungspolitik bewegen sich stets zwischen den Polen von Utopie und Pragmatismus: Die einen, so werden kritische Stimmen laut, sitzen im ‚Elfenbeinturm‘ der Wissenschaft und beschäftigen sich mit der Dekonstruktion und Entnaturalisierung des Geschlechtersystems, während die anderen in allen gesellschaftlichen Bereichen nach Gender-Gaps recherchieren und damit (ungewollt) die bestehende Differenzierung und Hierarchisierung von Frauen und Männern reproduzieren. Trifft diese Kritik tatsächlich auf das Verhältnis von Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik zu und bewegen sich die Vertreter*innen der beiden Felder wirklich „in verschiedenen Arenen“ (Wetterer 2005: 2) ? Welches Spannungsverhältnis lässt sich zwischen Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik festmachen und wie können diese Spannungen konstruktiv genutzt werden? Durch eine theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Paradigmen der Geschlechterforschung, ihren Implikationen für die Gleichstellungspraxis und empirische Einblickein die Arbeit von Frauenbeauftragten soll diesen Fragen nachgegangen werden. Es wird gezeigt, wie sich die Gleichstellungspraxis zwischen theoretischer Abstraktion und pragmatischer Zielsetzung positionieren kann, welche Perspektive Frauenbeauftragte mit Blick auf das Theorie-Praxis-Verhältnis einnehmen und schließlich, welches die zentralen Voraussetzungen für eine wissenschaftlich fundierte und pragmatisch orientierte Gleichstellungspraxis sind.



__________________________________________________________________________________________________________

Kira Proll:

(Ver-)Ordnungen von Vaterschaft - Eine Annäherung an institutionelle und parentale Herstellungspraktiken.

Online-Publikation Nr. 06/2016

Elternschaft lässt sich heutzutage als verkurst bezeichnen. Lange vor der Geburt des Kindes bietet sich werdenden Eltern eine immense Auswahl an Kursen und Informationsveranstaltungen. Damit einher geht eine implizite gesellschaftliche Erwartung, dass sie an diesen auch teilnehmen sollen. Die vorliegende Studie fokussiert die werdenden Väter und untersucht die in diesen Angeboten vorkommenden institutionellen und parentalen Herstellungspraktiken rund um Vaterschaft. Dieser Fokus setzt an einem bestehenden Forschungsdesiderat an: Die ethnografische Väterforschung, die sich mit dem vorgeburtlichen Zeitraum befasst, nimmt in der Sozialforschung einen geringen Stellenwert ein. Herausgearbeitet wird ein Bild von Vaterschaft, wie es von verschiedenen Akteur*innen konstruiert wird. An Väter werden die unterschiedlichsten Anrufungen gerichtet, denen sie sich kaum entziehen können. Für sie besteht ein im- und explizit geäußerter Teilnahmezwang bezüglich der Teilnahme an den Informationsabenden, den Bildungskursen und der Geburt. Dennoch sind sie vielfältigen Exklusionspraktiken ausgesetzt, die ihre Bedeutung im Kontext Geburt und Familie marginalisieren. Welche Bedeutung der Vater für das Kind und die Familie außerhalb der Rolle des Organisators und Managers hat, bleibt vage. Deutlich wird auch, dass schon ein Blick auf die Zeit der Schwangerschaft zeigt, wie die ‘innerfamiliale Ordnung’ hergestellt wird und wie durch institutionelle und parentale Herstellungspraktiken vergeschlechtlichte Zuständigkeitsbereiche angelegt werden – und es zu Retraditionalisierungstendenzen von Geschlechterrollen in Paar- bzw. Familienbeziehungen kommt.



__________________________________________________________________________________________________________

Margrit Brückner:

Grenzen der Passung: Verhältnisse zwischen rechtsstaatlichen Handlungsmöglichkeiten und Dynamiken Häuslicher Gewalt.

Online-Publikation Nr. 05/2016

Der gelungene Aufbau einer Interventionskette bei Häuslicher Gewalt in den letzten eineinhalb Jahrzehnten macht neben dem Erfolg auch ein Problem deutlich: die unterschiedlichen Interessenslagen und Handlungsmöglichkeiten eines erheblichen Teiles der betroffenen Frauen einerseits und der involvierten Professionellen mit ihren Arbeitsaufträgen (z.B. Polizei, Justiz, Jugendamt, Frauenhäusern und Beratungsstellen) andererseits. Dieser erhebliche Teil der Frauen sucht Unterstützung, aber nicht zwangsläufig im Sinne der Interventionskette und der daran beteiligten Professionellen. Staatliche und soziale Instanzen gehen davon aus, dass sich betroffene Frauen im Schutz- und Hilfesystem die „vernünftige“ Logik der Interventionskette zu Eigen machen, das entspricht aber nicht immer dem Eigensinn der Frauen und der Dynamik von Beziehungen. Diese Problematik der Passung schlägt sich auch beim Umgang mit den Kindern und in den Maßnahmen bezogen auf die beschuldigten Männer nieder. Es prallen zwei Systeme aufeinander, die strukturell und von ihren jeweiligen Denkansätzen und Handlungsmaximen her nicht zusammenpassen und dennoch auf einander bezogen werden müssen, soll das Rechts- und Hilfesystem einen möglichst hohen Anteil der Fälle Häuslicher Gewalt erfolgreich erfassen. Anhand von Akten einer Amtsanwaltschaft, in denen polizeiliches und juristisches Handeln ebenso wie das Verhalten der Konfliktparteien dokumentiert wird, werden die Art und Weise des Umgangs mit polizeilichen und rechtlichen Möglichkeiten im Spannungsverhältnis zu den Problemlagen und Bedürfnissen der Konfliktparteien herausgearbeitet.



__________________________________________________________________________________________________________

Irmgard Vogt / Juliana Fritz / Nina Kuplewatzky:

Frauen, Sucht und Gewalt: Chancen und Risiken bei der Suche nach Hilfen und Veränderungen.

Online-Publikation Nr. 04/2015

Für die Organisation ihres Lebensalltags in Gewaltverhältnissen nutzen süchtige Frauen informelle Hilfen, soweit diese noch vorhanden sind, und formale Hilfen (Frauenhäuser, Polizei, Suchthilfe, Ärzte und Ärztinnen), allerdings nicht immer freiwillig (Jugendämter). Mit den Institutionen und den Personen, die diese repräsentieren, machen sie unterschiedliche Erfahrungen. Neben einer Reihe von guten Erfahrungen, erleben sie auch Diskriminierungenund Stigmatisierungen. Mit Bezug auf die häuslichen Gewaltverhältnisse ergeben sich aus den Interviews Hinweisen auf Prozesse der Selbststigmatisierung. In dieser Studie konnten vier typische Szenarien im Umgang mit der Dualproblematik heraus gearbeitet werden. Dazu gehören zum einen Arrangements zum Leben in (häuslichen) Gewaltverhältnissen sowie passive Beendigungen der Gewalt, wenn z.B. der Partner erkrankt und nicht mehr zuschlagen kann. Zum andern finden sich aktive Bewältigungsmuster, wobei sehr lange und langsame Prozesse der endgültigen Trennung vom gewalttätigen Partner von sehr plötzlichen Trennungen zu unterscheiden sind. Allerdings ergeben sich in dieser Studie keine systematischen Zusammenhänge zwischen den Stigmatisierungsprozessen und den Strategien der Frauen, mit Gewalt in der Partnerschaft umzugehen bzw. sich aus Gewaltverhältnissen zu befreien.



__________________________________________________________________________________________________________

Margit Göttert / Elke Schüller (Hrsg.):

Mehr Studentinnen für MINT an hessischen Fachhochschulen.

Online-Publikation Nr. 03/2012

Dokumentation der Tagung am 22.09.2011 an der Technischen Hochschule Mittelhessen.









_________________________________________________________________________________________________________

Margrit Brückner / Gisela Heimbeck / Franziska Peters / Tanja Reimann /
Marianne Schmidbaur:

Wer sorgt für wen und wie? Beteiligte kommen zu Wort – erstes Resümee einer empirischen Untersuchung zu Care.

Online-Publikation Nr. 02/2012

Anliegen dieser Untersuchung ist es, die Gestaltungsweisen langfristiger Care Prozesse in privaten Haushalten durch familiale und professionelle Akteur*innen aus verschiedenen Praxisfeldern (psychische Erkrankung, körperliche Behinderung und Altenarbeit) zu analysieren. Im Mittelpunkt stehen Handlungs- und Problemlösungsmuster in individuellen Unterstützungsnetzen unter besonderer Berücksichtigung des Spannungsfeldes von Angewiesenheit und Selbstständigkeit – bei befragten Unterstützten ebenso wie bei befragten Unterstützenden. Ausgangspunkt ist die geschlechtertheoretische internationale Care Debatte, die lebenslaufbezogene soziale Praxen des Sorgegebens und des Sorgeempfangens hinsichtlich Gerechtigkeitsvorstellungen und Konzeptionen von Fürsorglichkeit (Care) in Wohlfahrtsstaaten kritisch durchleuchtet.



__________________________________________________________________________________________________________

Michael Behnisch / Lotte Rose:

Sexueller Missbrauch in Schulen und Kirchen. Eine kritische Diskursanalyse der Mediendebatte zum Missbrauchsskandal im Jahr 2010.

Online-Publikation Nr. 01/2011

Im Frühjahr 2010 entbrannte in den deutschen Massenmedien eine intensive Debatte zum Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Kirchen und Schulen. Anlass waren zunächst Vorfälle in einzelnen renommierten katholischen und reformpädagogischen Internaten, die Jahrzehnte nach dem eigentlichen Geschehen öffentlich bekannt wurden. Im weiteren Verlauf kamen sehr schnell immer mehr Meldungen zu Missbrauch und Gewalt in weiteren kirchlichen und schulischen Institutionen, aber auch in Kinder- und Jugendheimen sowie Freizeiteinrichtungen und aus dem Ausland hinzu. Erst im Spätsommer 2010 ebbte das Thema allmählich wieder ab. Seitdem finden sich nur noch vereinzelte und knappe Beiträge zu diesem Thema in der Tagespresse. Dieser Beitrag hat diese medialen Vorgänge zum Gegenstand. Es geht damit also nicht um Missbrauch und Gewalt in pädagogischen Einrichtungen, sondern um die Art und Weise, wie darüber öffentlich gesprochen wird – wie also Missbrauch und Gewalt in pädagogischen Einrichtungen überhaupt zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Skandalisierung werden. Mit dieser diskursanalytischen Perspektive wird der Forschungsblick nicht darauf gerichtet, was in den Einrichtungen letztlich passiert und den Opfern widerfahren ist, sondern darauf, wie die mediale Darstellung zu dem aussieht, was passiert ist.